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  • AutorenbildSilvia Dober

Sittenpolizei


Bei mir ist es Sitte, daß die Hundelis auch etwas von meinen Nahrungsmittel bekommen.


Nun kann man sagen, so erzieht man seinen kleinen Fellnasen das Betteln an. Das ist durchaus richtig, wenn man es willkürlich macht. Oder immer nach Aufforderung des Hundes. Und, wenn man sich von Anfragen seitens der kleinen Haarspender mit dem Zielobjekt beeinflussen lässt, die eher wie Schutzgelderpressung formuliert sind. Minus jeder Höflichkeit.


Hier nun ein paar Beispiele, wie es bei uns läuft, wenn das Trio an solchen Ritualen teilhaben möchte.

Morgens wanke ich zombiegleich in die Küche. Kaffeemaschine an und der essenzielle Teil meiner Menschwerdung tröpfelt in den Pott.

Da schleicht Ellie im Agentenstyle in die Küche und parkt sich dezent im Korb. Die Kühlschranktür geht auf. Theo schlurft in die Küche und linst unter der Arbeitsplatte her. Die beiden sind schon länger da und wissen, daß es risikoloser wäre mit Plutonium zu jonglieren, als mich morgens zu bedrängen. Franzi, (damals) seit drei Wochen bei uns inhaftiert, hat das noch nicht so auf der Pfanne und knallt mit den Ellbogen voran und widerwärtig guter Laune in mich rein.

Ich bleibe einfach stehen und atme das Adrenalin runter. Morgens…bin ich im besten Fall…nicht ansprechbar.

Mein Gehirn ist wie ein alter Diesel und der Choke klemmt seit Auslieferung.


Das Ritual ist nun, daß nicht nur mein Kaffee einen Schluck Kuhsaft bekommt, sondern auch meine Untertanen.

Ein Schwapp für Ellie, ein Schwapp für Theo und ein Schwapp für Franzi.

Die schlabbern begeistert den Klecks von den Fliesen und dann ist es auch schon wieder vorbei.

Sie trollen sich ihrer Wege und feddich. Morgen ist ein neuer Tag mit neuem Kaffee.


Oder, ich hocke in meinem großen Sessel und es gibt ne Stulle.

Es hat sich so entwickelt, daß meine Kleinen von meinem Brot einen Haps bekommen. Wenn etwas drauf ist, was sie auch haben dürfen, versteht sich (hoffentlich von selber). Dafür stehen sie dann auch nicht zwangsläufig auf. Aber sie sind da, wo sie gerade verharren, überaus aufmerksam und abrufbereit.

Entweder, sie kriegen dann etwas, wenn ich wieder aufstehe, oder ich rufe sie ran, damit sie sich die Beute abholen können.

Oder es gibt eben auch nichts.


Wenn ich mir ein Brot schmier, kriegt der anwesende Hund ein kleines Butterflöckchen. Wenn anständig gewartet oder angefragt wird. Ich bleibe ruhig, wenn gequengelt wird, kriegt keiner was. Übrigens sind dann die, die nicht genervt haben deutlich sauer auf den Ungeduldigen, denn er hat ihnen Feinkosthäppchen versaut.


Abends bin ich mit den Schnuffis auf dem Sofa. Nach hartnäckiger Nachfrage seitens Ellie über einige Monate, in diversen Abstufungen und Herangehensweisen, teile ich mit den haarigen Mitbewohnern mein *Körbchen*.

Ellie sitzt vor dem Sofa und guckt mich an, als ob sie die letzten 30 Jahre bei Walt Disney gearbeitet hat.

Ich frage sie dann: HUNGER oder SOFA?

Bei Hunger geht sie an des Regal im Wohnzimmer und wartet dort, bis ich mich erhoben habe.

Bei Sofa guckt sie vor sich runter und dann wieder zu mir hoch.

Dann hole ich eine riesige Decke, breite sie aus und leg mich wieder hin. Dann rufe ich die Wuffis zu mir und wir asseln gemeinsam ab.


Was soll das nun alles?

Wenn man in eine Gemeinschaft lebt, dann findet immer wieder Kommunikation statt. Ich will dies nicht, das nicht, das aber auf jeden Fall, warum ist dir das nicht eher aufgefallen, ich frag ja nur ganz höflich usw.

So, wie ich was von meinen Hunden will, wollen sie natürlich auch etwas von mir. Und schwupps… sind wir bei Kompromissen. Und warum sollte ich diese Kompromisse nicht auch für etwas anderes verwenden, als den Bittsteller glücklich zu machen?

Ich rede hier nicht von Schikane, sondern von geschenkten Daten und Lernmöglichkeiten.


Ich schmiere mir ein Brot. Egal wo Gin damals war, wenn die Butterdose klackerte, kam sie an, um sich ihr Flöckchen Euterfett abzuholen. Wenn ein Hund sowas nicht mehr macht, kann es einen Grund haben, der mir vielleicht entgangen wäre. Ihr geht es nicht so gut, ist in einem Zimmer mit zugefallener Tür, sie hört es nicht mehr, hat heimlich das Gelände verlassen et cetera.



Ebenso kann man die Artikel mit gesteigertem Wert auch dazu nutzen, dem Hund ein wenig Contenance nahe zu bringen.

Wenn ich quengel, dann gibt es nichts. Je dreister ich mich benehme, desto unwahrscheinlicher der Schluck Milch.

Bei sämtlichen Aktionen im Alltag halte ich eine konsequente Reihenfolge ein. Die 1 (Ellie) im Rudel kriegt das erste, dann die 2 (Theo), dann die 3 (Franzi). Und, zur Betonung ihrer Position im Rudel, bekommt Ellie nicht nur den ersten, sondern auch den letzten Haps.

Wenn wir einen Zug durch die Gemeinde machen, geht es auch in der 1-2-3-Reihenfolge aus der Tür und nachher genauso wieder rein.

Ein Hund muss seine Position / Aufgabe kennen, damit er sich in der Gruppe sicher und wohl fühlt.

Und logischerweise dort auch einsortieren kann.

Sonst gibt es immer wieder Faustkämpfe, Eifersucht, Amtsanmaßung und Unfrieden.

Da hab ich keinen Bock drauf.


Beim Sofa ist die große Überschrift Instant-Ruhe. Nun kann man seinen Schnuffis 100x sagen, daß sie nicht so wild sein sollen, auf dem Sofa nicht gespielt oder gekabbelt wird, kein Raum für Aufdrängeleien und Rangdiskussionen herrscht.

Oder man zeigt den Würstchen, daß man auch in entspannter Grundstimmung immer zum Handeln bereit ist.

Soll heißen, wer sich nur ansatzweise daneben benimmt, wird des Möbels verwiesen. Abschiebung mit Plums.

Und, wenn ich vom Sofa aufstehe, müssen alle runter. Keine Diskussion.


Erstmal ist es mein Flätzmöbel / Korb, zweitens bleibt dann das Sofa auch unangetastet, wenn ich nicht drauf bin.

Franzi lernt das alles noch (seit drei Wochen da diesem Zeitpunkt). Wenn ich nun versehentlich ins Wohnzimmer geschlichen komme, ist sie manchmal auf dem Sofa, ahnt vielleicht, daß etwas nicht stimmt, aber bewegt sich deswegen kein Stück. An Ellie und Theo sieht man dann ein schadenfreudiges *schön dich gekannt zu haben*. Franzi wird körpersprachlich des Sofas verwiesen, für RUNTER belohnt und wir harren bis zum nächsten Fehltritt des Stoppelhopsers. Bis sie es begriffen hat. Ohne dabei auszurasten.

Wenn ich wegen so einer Lappalie ausraste, was bin ich dann im Ernstfall für eine Pfeife?


Auch hier nochmal in aller Deutlichkeit: die Hundes machen alle freiwillig mit und die Themen, bei denen solche potenziellen Diskussionspunkte abgehandelt werden, wurden von den Lütten selber vorgeschlagen.

Und man kann sie auch an Dingen teilhaben lassen, die sonst nicht stattfinden.

Am Tisch wird nicht gebettelt. Brauchen sie auch nicht, denn ab und an gibt es ja etwas von der Stulle, dem Stullenschmieren oder der Kaffeezubereitung.

Sie bieten mir ja quasi die Schraubzwingen an, mit denen ich sie gefühlvoll in Form halte.


Kooperieren sie, haben sie was davon. Benehmen sie sich wie Hooligans, gehen sie leer aus. Ich belohne sie immer mit Sachen, die für sie interessant sind. Die sie auch haben wollen.

Es macht den Alltag gefälliger. Es macht den Alltag auch aktiver, denn sie sind aufmerksamer. Sonst verpassen sie am Ende den jeweiligen Einsatz…und müssen vor der Tür nur unnötig länger warten nach dem Spaziergang, anstatt zu den Hähnchenherzen im Frühstücksnapf zu gelangen.


Ja, es gibt Druck, denn es hat so zu laufen, wie ich es will.

Das gute Wort für Druck ist:

Konsequenz.




Silvia Dober

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