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  • Silvia Dober

Wie spricht der Hund?



... wenn der Mensch das sagt, hat es meist ein Bellen zur Folge. Ein antrainiertes Lautsignal.

Doch Hunde bellen von sich aus, zur Kommunikation mit Artgenossen, mit Menschen und allem, was da kreucht und fleucht. Kommunikation bedeutet allerdings nicht, daß zwei Hunde aus dem Wald kommen und sich bellend unterhaltend auf die Schulter klopfen, wie cool doch die Hatz hinter dem Reh gewesen ist. Das unterliegt der menschlichen (Fehl-) Interpretation.



Beim Bellen spielen die Tonfolge, die Tonlage, die Klangfarbe und auch die Lautstärke eine gravierende Rolle. In der jeweiligen Zusammensetzung gibt es Varianten, die je nach Gewichtigkeit in der gleichen Situation etwas völlig anderes bedeuten können.

Nicht nur der Ton macht die Musik, auch das dazugehörige Umfeld, die Verfassung des Hundes und der anwesenden Tiere und Menschen. Zum Beispiel kann durch Zucht die Motivation zu Bellen gefördert werden. Wenn ein Wachhund anschlägt, ist das sinnvoll. Schlägt er jedoch in einem Mehrfamilienhaus zuverlässig an, dann kann das auch mal eine Mieterversammlung iniziieren.


Es gibt sieben Gruppen für Lautäußerungen von Hunden. Der Klassiker ist die Spielaufforderung. Dabei hört man schrille, abwartende Töne, die bis zum lang ersehnten Beginn des Spiels durchgezogen werden. Gibt es nicht das geforderte Spiel, kann auch monoton und überaus nervend weitergebellt werden.

So kommt man nahtlos zur zweiten Form, dem Stressabbau. Der akustische Teppich schraubt sich ein wenig in die Höhe, wird schrill und ausdauernd. Die Taktung ist relativ kurz mit wenig Pausen. Diese Form der Laute kann man auch bei Begrüßungen oder vor starker körperlicher Aktivität (Meute vor der Treibjagd, Schlittenhunde beim Einspannen) hören.


Die dritte Form, die man im Alltag häufiger findet, ist das Bellen um Aufmerksamkeit. Mit hohem, forderndem Ton hält der Hund den Blickkontakt und / oder macht kurze Checks in den Pausen. Jedwede Reaktion des Angebellten verstärkt den Output des Vierbeiners. Die Anmeldung von Besuchern wird gern mit dieser Art zu bellen vollzogen. Auch schimpfen ist Aufmerksamkeit, was oft vom Zweibeiner nicht bedacht wird. Einsame Hunde wählen lieber den Ärger, bevor sie gar keine Ansprache bekommen.


Ist der Hund jedoch einsam oder gelangweilt, kann es zu einer weiteren Ausführung kommen. Monoton und ausdauernd, bis zu klagend aus Verzweiflung. Das passiert, wenn Hunde nicht auf eine gewisse Zeit des Alleinseins trainiert wurden und einfach in der Wohnung "zurückgelassen werden". Der Übergang zum Heulen ist fließend und die Melange aus Bellen und Heulen... und wenn mann es einmal gehört hat, vergisst man das nicht wieder.


Aus Angst kann ebenfalls gebellt werden. Treibt man einen Hund in die Enge oder bedrängt ihn, hört man schnelle Salven, die immer greller im Ohr scheppern. Der Hund zeigt Rückzugsverhalten und Fluchtgebahren. Je panischer das Tier wird, je mehr Angst es hat, desto panischer werden die Laute, die am Ende in Geschrei gipfeln können.


Aber es muss nicht gleich der schlimmste Fall sein. Vielleicht macht ein Hund auch nur seinen Job und warnt. Auf dem Grundstück mit bellendem Hund, sollte man sich genau überlegen, ob der zweite Fuß noch in die Einfahrt gesetzt werden sollte. Das Bellen ist durch mehrfache tiefe und kurze Laute definiert; das wäre die Warnung. Folgt nach dem kurzen Bellen noch ein Knurren, dann ist das eine 1a-Drohung. Vor einem Angriff wird übrigens nicht gebellt... etwas, woran man sich gern erinnern darf.


Last, but not least, bleibt noch das Bellen bei der Jagd. Die Töne sind ebenfalls schrill und langgezogen. Die Aufregung, der Stress, das selbstbelohnende Jagdverhalten tun ihr übriges, wenn der Hund mit vollem Geläut durchs Unterholz prescht.


Das Bellen muss man, genauso wie andere Verhaltensweisen (Schwanzwedeln zum Beispiel) im Kontext sehen. Weil der Hund bellt, ist er nicht zwangsläufig bedrohlich oder verängstigt. Der Schlüssel ist Interesse an der anderen Lebensform und der eigene Wille, mit dem gezeigten Verhalten dementsprechend zu interagieren. Wenn mir der Handlungsvorschlag des Hundes nicht gefällt, muss man als Mensch eine andere Handlung offerieren, oder gucken was der Auslöser für das Unerwünschte ist und nicht ausschließlich das Bellen ersticken.

Wenn der Hund bellt, hat das einen Grund.

Schön, wenn es den Halter auch interessiert.



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