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  • Silvia Dober

Wat machˋn war denn nu?!

Das Thema Beschäftigung ist nicht nur bei Zweibeinern ein oft umstrittener Punkt. Der eine sagt, wenn man den ganzen Tag arbeiten geht reicht das völlig. Der andere sagt, Arbeit reicht nicht, ich muss meine Zeit nutzen und hat Hobbies, Ehrenämter usw. Dann gibt es Menschen, die kommen nur zum Schlafen heim und andere, die kommen nimmer aus dem Schlafanzug nicht raus. Doch wie läuft das nun mit zwei Daumen weniger und zwei Beinen mehr? Auch ein Hund braucht einen Ablauf, etwas woran er sich orientieren kann. Routine bietet, nicht nur wegen der gewohnten Chronologie, eine Art von Organisation, sondern auch Sicherheit. Sachen, die man immer wieder macht, werden fehlerfreier. Erst Hose aus, dann pinkeln…muss mir heute keiner mehr sagen. Nun steht der Durchschnittsschnuffi vor dem gleichen Malheur, wie jeder andere auch. Da gibt es Kurse, Sportarten, Workshops, Hundeplätze, Krimiwanderungen, Hundeyoga, Tricks, Nasenarbeit… es findet quasi kein Ende mit den geplanten Aktivitäten. Und was ist mit den vermeintlich ungeplanten Punkten der Tagesstruktur? Mampfen, Pullern, Spielen, Abhängen mit dem Multi-Speziesrudel, Invasoren stellen (sagt ja keiner der Hundewurst, daß die Oma eingeladen wurde), die Post annehmen (und fürs Recycling vorbereiten), warten bis wieder einer nach Hause kommt und am besten alle Wünsche der Legislative telepathisch erfassen und minutiös vor deren Äußerung umsetzen. Und dann kommen noch die geplanten Aktivitäten dazu. Meine Fresse, und das alles in 24 Stunden? Wird knapp, wenn man bedenkt, daß Hunde durchschnittlich 70% der Zeit aus Stand-by verdödeln. Auf der einen Seite kann ich es verstehen, man möchte seinem Quell der Freude etwas bieten, eine tolle Zeit miteinander verbringen. Und insgeheim definiert man sich zum Teil auch darüber, was für ein Zampano man doch ist. Ich mache montags Agility, dienstags Mantrailing, mittwochs mal nix ( nur 10km mit dem Dackel am Rad / leider von mir gesehen, die Frau erstmal gestoppt und freundlich zusammengeschissen), donnerstags Hundeplatz, freitags…da fällt mir immer spontan was ein und am Wochenende sind Themenwanderungen. Das sieht so aus, als ob Hundehaltung etwas ist, das Leiden schafft und nicht etwas, was eine Leidenschaft sein kann. Natürlich ist es schön, wenn man mit seinem haarigen Kumpan gemeinsam Zeit verbringt, auch gerne geführt. Doch besteht auch der Mut, einfach mal besagte Zeit zeigen zu lassen, was das Geldgrab vielleicht möchte? Paddy, mein Border-Mix, und ich besuchten einst einen Agility-Kurs. Agility + BorderLiner= bewährte Mischung. Anfangs war alles ein wenig müßig, aber cool. Er lief den Parcours gut. Aber…naja, Begeisterung sieht anders aus. Ich konnte mir den Arsch abmotivieren. Irgendwann kam dann der Punkt, wo wir loswollen sollten. Mir schoss das Konfetti aus der Omme und der gnädige Herr sichtete mich indigniert, verklickerte mir mimisch: wenn de Bogg has, lauf ma…für mich ist der Drops gelutscht. So kann es auch gehen. Das sei nur ein Auszug, führte aber zum Umdenken. Beschäftigung ist etwas, was den Hund (und mich) beschäftigt. Etwas, was wir gemeinsam und gern machen, was uns verbindet. Stichwort Alltag. Ein solider Hund im Alltag setzt auch eine solide Führung voraus. Erziehung und Verständnis ist keine Saisonaktivität wie Schnee schippen, kann einen aber genauso schnell an den Rand des Interesses bringen, denn es ist anstrengend. Jedoch kann man sich über den geschmeidig eingegroovten Bellomaten genauso freuen, wie über die frisch geschobene Einfahrt oder den appen Rasen bei Fegefeuerhitze. Komplikationslos durch die Tagesstruktur zu kommen, ohne dafür den Bus zu nehmen, ist mit Kontinuität verbunden (Arbeit). Man kommt unfallfrei durch Stadt & Wald (Bewegung), trifft andere Hunde und deren Leinengewichte (Kontakt). Man achtet auf den Schnuffi und reziprok selbiger auf den sensorisch Gehemmten (Kommunikation) und am Ende des Tages wirft man sich gemeinsam vor die Glotze (Sozialisieren/Kontaktliegen). Beschäftigung ist nicht das, wo ich termingebunden hinfahre. Beschäftigung ist das, was ich mache. Und zusammen unterm Apfelbaum liegen und den Meisen beim Brüllen zuhören ist auch Beschäftigung. Man macht gemeinsam einfach mal nichts.

Silvia Dober




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