Mobil

0176 43821148

Email

info(at)tierpsychologie-dober.de

Öffnungszeiten

Termin nach Vereinbarung

Unternehmenssitz

32657 Lemgo

Fotos: Britta Y. Stricker

www.time-catcher.de

©2019 created by Silvia Dober

Suche
  • Silvia Dober

Was ist das für eine Rasse?

Sind Mischlinge nur Fehlproduktionen? Macht die Reinrassigkeit erst einen Hund zum Hund?

Ein reinrassiger Landseer spielt mit einem Border-Collie-Husky-Mix. Ist das schon Fehlverhalten? Ein reinrassiger Hund spielt mit einem Mischling, igitt!

Wenn man sowas liest, fragt man sich echt, in welchem Zeitalter wir leben. Leider ist das kein Scherz, sondern ein tatsächlich gefallener Satz.


Was ist denn nun besser, ein Rassehund, oder so eine Straßengrabenschönheit?

Bei einem Rassehund weiss man wenigstens, was man hat (so der Volksmund). Schließlich ist er extra so gezüchtet worden. Nur kann man das nicht so pauschalieren. Auch aus einem Rassehund kann ein kläffender Flohzirkus werden und nicht jeder Mischling ist ein unkalkulierbares Risiko, weil man nicht weiss, was drin ist.

Was bedeutet denn nun Rasse?

Unter dem Begriff fasst man nur typische

Verhaltenseigenschaften und Leistungsmerkmale zusammen, die genetisch verwurzelt sind und mehr oder weniger stark in Erscheinung treten. Das zeigt sich unabhängig von Erziehung und Ausbildung des Hundes.

Beispiel Malinois: ausdauernder u. robuster Gebrauchshund, sensibel gegenüber dem Halter, übersprudelnde Motivation, verteidigt Heim und Besitzer angstfrei. Das ist nur ein minimaler Auszug Eigenschaften, Dinge, die man bei der Anschaffung eines Malinois bedenken sollte. Eine kaum messbare Reizschwelle, kombiniert mit solidem Schutztrieb und einer wirklich flotte Pfote, macht es umso wichtiger, daß der Welpe eine ausführliche Sozialisierung und Habituation (Gewöhnung an die Umwelt) erfährt. Somit ist er eher nicht als Familienschnuffi prädestiniert. Jedoch ist es auch möglich, wenn man ihn auslastet (Turnierhundesport, Agility, konsequenter Umgang usw.) und der Führer souverän mit präziser Grunderziehung sich dem Tier widmet.

Holt man sich einen Malli, weil er sooooo niedlich ist und aufmerksam, dann kann einen diese Entscheidung sprichwörtlich in den eigenen Hintern beissen.

Alles für die eigene Familie zu geben... für den Hund eine Selbstverständlichkeit. Die Frage ist nur, ob die Familie das auch aushält.


Hunde wurden über ein paar tausend Jahre, basierend auf Leistungen und Verhaltenseigenschaften, selektiert. Anfänglich war ihr Aussehen die logische Konsequenz und nicht das Ziel dieser Auswahl.

Berufung, Job und nicht weniger wichtig der Charakter, setzten in der menschlich gesteuerten Evolution den Rotstift an, nahmen Einfluss auf das Erscheinungsbild.

Seit gut 150 Jahren rückt jedoch der Verstand zu lasten des Auges in den Hintergrund und das Exterieur rückt in den Fokus.

Die Ästhetik, die man gerne um sich haben möchte, sorgt jedoch dafür, daß gesundheitliches Leid oft der Preis ist, den der Hund bezahlen muss. Möpse haben ständig den Erstickungstot im Gefühl und schlafen zum Teil nur noch im Sitzen (weil sie liegend gar keine Luft mehr bekommen), wenn ihnen die Nase in den Kopf gezüchtet wurde. Dalmatiner sind taub. Berner Sennenhunde haben Epicondilitis, bei Collies löst sich die Netzhaut, Bassets kämpfen mit den Hautmassen, beim Cavalier Spaniel wird der Kopf immer kleiner gezüchtet, damit das Gesicht mehr dem Kindchenschema entspricht. Sieht süß aus, doch der Hund hat keinen Platz für sein Gehirn, das Hirnwasser staut sich und der Hund hat neurologische Ausfälle und starke Schmerzen.

Aber immerhin sieht er niedlich aus. Ich kauf mir einen Weimeraner...am besten gehe ich mit dem Teppichmuster zum Züchter, damit der Farbton auch stimmt.


An dieser Stelle fällt mir dann immer Max Liebermann ein, der gesagt hat: "Ich kann garnicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte."


Diese Beispiele betreffen die jeweiligen Rassen exemplarisch und nicht pauschal, jeoch häufen sie sich so, daß man eine bestimmte Rasse Hund oft auch mit einer bestimmten Krankheit in Verbindung bringt. Es sind nicht alle Hunde betroffen und auch nicht alle Züchter arbeiten so verwerflich. Doch den Begriff Qualzucht (ja, ich polarisiere damit) gibt es nicht als freie Erfindung.


Ok, dann eben einen Mischling. Die sind ja immer gesund.

Denkste, haste gedacht. Der Mix kann genauso erkranken. und wenn alle Krankheitsbilder dominant vererbt werden (es reicht schon ein Elternteil, um die Krankheit weiterzugeben), dann ist er doppelt gestraft. Wird es rezessiv vererbt (beide Elternteile müssen es weitergeben), kann er nochmal Glück haben. So hat ein Schäferhund-Pointer-Mix nicht zwangsläufig eine HD.


Unterm Strich bleibt nun zu sagen:


Egal ob Mischling, Zugelaufener, vom Züchter, aus dem Tierheim, geerbt, als Pflegehund oder Service-Vierbeiner... alle Hunde haben die gleichen Bedürfnisse.


Geborgenheit, Schutz, Nahrung, Wasser, Schlaf, Führung, Rückzugsmöglichkeiten, einen geregelten Tagesablauf, eine Aufgabe (oder 2376, wenn es ein Malinois ist), Körperkontakt, Artgenossen, eine Rudelstruktur (auch in der menschlichen Familie), Anerkennung durch Lob /mitgenommen werden / Erfolgserlebnisse etc., und die Option auf Selbstverwirklichung (buddeln, schwimmen, rennen und was das Herz des Hundes noch so alles begehrt).


Und das wichtigste, was man nicht kaufen und einfach hinstellen kann, oder leihen und retournieren, oder dem Schnuffi zur Beschäftigung überlassen, damit er nicht die Bude zerlegt, bis man wiederkommt: LIEBE.

Liebe zum Tier bedingt viele Entscheidungen, was man machen kann, nicht machen sollte oder selber auch nicht erleben möchte. Ein Hund hat durchschnittlich den Intellekt eines dreijährigen Kindes. Damit kann man arbeiten. Damit kann man ein erfüllt Leben gestalten und teilen.


Silvia Dober

2 Ansichten