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  • Silvia Dober

Update zum "Herzky" Rico


Gestern war ich wieder im Franziskushof, um mit dem kleinen Schnubbelchen ein wenig zu arbeiten. Die Mitarbeiter hatten mir gesagt, dass der quadropode Adonis nicht gut mit Männern klar kommt. Wie gut, dass ich einen habe, den man als Testobjekt einsetzen kann. Selbiger ist Wahnsinn gewohnt, denn sind wir verheiratet.

Wir kamen zu Rico ins Häuschen. Zuerst sah er mich und freute sich. Dann kann Menne durch die Tür und bei Hundi hatte es sich von „ui, da isse!“ zu „wat will der denn hier“ in einem Hundertstel gewandelt. Steif, wie ein Bügelbrett, zu keinem Lidschlag fähig, den Feind im Blick. Find ich super, dass der Knasti seine Gefühle deutlich zeigt, so kann man damit gut arbeiten.

Meinen Augenstern habe ich ein der Ecke geparkt, für Hundi sichtbar. Dann bin ich zu Rico, ein wenig housewarming betrieben. Als er zumindest den Anschein machte wieder denken zu können und nicht nur auf Angriff/Verteidigung zu sein, machte ich die Tür seiner Suite auf.

Rausstürmen war nicht drin, die Kontrolle der Situation musste klar bei mir sein. Weder sollte der Hund sinnfrei gestresst werden, noch wollte ich Teile meines Mannes nachher reparieren lassen müssen. Außerdem kann das schlechte Stimmung geben, wenn die bessere Hälfte gemetzelt wird, weil man selber nicht aufpasst.

Nach einem vorsichtigen meet&greet, unter Trockenfleischbegleitung, durfte sich Husbunny langsam bewegen und Rico sich selbigen anschauen.

Begeisterung sah anders aus. Aber das habe ich von Rico auch nicht erwartet. Es gibt nur eine, die von dem Mann begeistert sein darf, und das bin ich. Mir reicht es schon, wenn der Schnuffel (Hund) es schafft, nicht gleich durchzudrehen.

Sinnvoll investierte fünfzehn Minuten. Dann fasste sich Husky ein Herzky und wagte sich, vorsichtshalber tendenziell pöbelnd, und schritt auf den Zweibeiner zu. Vorsichtiger Nasentest, weniger vorsichtiger Nasentest, Nasentest…keine Bedrohung ausmachen können…die Amygdala (Instinktsteuerung/Selbstverteidigung/Angriff) fährt runter und das Resthirn schmeißt ne Schüppe Kohle druff … nimmt Fahrt zur Sozialkompetenz auf.

Hände sind nicht nur zum Kloppen da. Sowas sollte niemand lernen müssen.

Wir bekamen einen großen Raum zur Verfügung gestellt, damit Rico sich, in der für ihn dennoch aufregenden Situation, bewegen und etwas abreagieren konnte. Er hatte zwischendurch eine Bürste, dass man auch in Lippe Kamelreiten hätte anbieten können.

Mein Mann wurde seitlich sitzend geparkt und ich arbeitete ein wenig mit Rico. So konzentrierte sich der Husky auf mich, hatte einen „bösen“ Mann im Hintergrund zu meinen Handlungen und stellte zeitnah fest: es sind nicht alle böse. Na, watn Wunder!

Nach 45 Minuten war die nordische Augenweide fertig mit Schönschreiben. Am Ende wurde er von uns beiden nochmal ordentlich durchgeknuddelt und dann in seine Kemenate entlassen.

Rico hat zwar Schwierigkeiten mit Nichtfrauen, aber diese sind nicht groß. Man muss einem Hund immer die Option geben, dass er selbst jemanden kennen lernen darf. Nicht darauf zustürmen, sondern den Hund aktiv sein lassen. Im moderaten, geschützten Rahmen, denn niemand wird einfach geopfert. Weder Ricos Restmut, noch mein Mann.

Unterm Strich: Rico hat eine, für ihn gesunde/erlernte Skepsis gegenüber Männern. Zeigt man ihm, dass man nicht so ist, wie es ihn seine Erfahrung hat abspeichern lassen, geht sein Herz auf, wie ein Schaumkuss in der Mikrowelle.

Es ist nicht Hopfen und Malz verloren…es ist nur Arbeit…die Belohnung ist eine heilende Seele.




Silvia Dober

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