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  • AutorenbildSilvia Dober

Tölenklempner


Mein Hund ist nicht ganz dicht!


So beginnen nicht wenige Telefonate. Dem Hund wird jeder Realitätssinn abgesprochen, weil es nicht so fluppt, wie es sich der Dosenöffner vorstellt.

Würde nun besagter Hund bei mir anrufen, wäre es vermutlich eher so:

Guten Tag, mein Name ist NEIN und ich habe eine Frage zum Verhalten meines Menschen.

Man sieht hier sehr schön, das auch Hunde eine gewisse Form von Etikette besitzen.

Die meisten.

Bei meinen menschlichen Kunden kann ich sagen, auch hier: die meisten. Denn oft wird der Tölenklempner angerufen, wenn das emotionale Waschbecken des Vierbeiners tropft, beim Halter seit einer Weile jedoch deutlich überläuft.

Nebenbei sei erwähnt, daß die Problematik gestern schon gelöst worden sein soll, weil man es ja nun wirklich nicht länger aushalten kann.

Schon mal auf die Idee gekommen, etwas eher aktiv zu werden? Wenn ich den Stein des Anstoßes wachsen lasse, dann muss man nachher auch deutlich mehr modellieren, um an des Pudels Kern zu kommen.

Logik und Emotion…

Hat da einer der Zahlungsberechtigten mal den Hund gefragt? Wann er von sich aus am liebsten angerufen hätte? Was sein Problem ist? Und wie lange ihm der Mensch schon auf die Analdrüsen geht?

Fragen über Fragen, die ich aus professioneller Sicht auch gerne mal mit Ausrufezeichen betonen würde. Aber Rumschreien bringt nix.

Auch ich habe Etikette, meistens…manchmal…immer weniger.

Wie lange macht er denn das unerwünschte Verhalten?

Tja, es ging so mit 8 Monaten ungefähr los. Da hat er nicht mehr richtig zugehört. Und, wenn ich ihn anleinen wollte, rannte er weg. Ich bin dann hinterher, aber er blieb nicht stehen. Dann habe ich versucht ihn zu packen und er rannte immer wieder weg.

Das kann man doch nicht machen?! Der hat doch zu spuren!!

Dann hat er Essen erbettelt, nachher vom Tisch geklaut und jetzt, wo er Schränke aufmachen kann, verwüstet er das Haus, wenn wir nicht da sind. Das macht er nur, um uns zu ärgern.

Mein Hund ist ein Arschloch!

Da bremse ich dann das erste Mal deutlichst. Ein Hund macht das, was er kann und was man zulässt. Opportunist ist da der richtige Ausdruck. Aber, der wertet ja nicht auf Kosten des armen Herrchens. Da fällt einem der Arschloch-Titel schon leichter. Sich selber in der Opferrolle sehen… ist bekanntlich auch angenehmer und leichter.

So, dann gucken wir mal auf den Opportunisten.

Die Hormone erwachen, man fühlt sich nicht mehr so ausgeliefert, wie man es als Welpe war. Kommt in das Alter, in dem man Kippen bei den Eltern klaut, ne Lederjacke trägt und die Moffa frisiert…die Pickel kommen, der Bart wächst und somit auch die eigene Attitüde. Herzlich willkommen in der ersten Selbstfindungsphase. Mit 8 Monaten also alles dem Standard entsprechend und nicht verwunderlich.

Und so ging es dann munter eine ganze Weile weiter. Pubertät ist übrigens was ganz Normales.

Ich hörte mir den Klagenden an. Nun ist der Hund 5 und tyrannisiert das ganz Haus. Sie haben ihn nur noch nicht rausgeschmissen, weil sonst die Kinder revoltieren. Die können mit ihm super und so kann man sie auch wenigstens allein lassen. Noch nicht mal die Eltern kommen in den Garten, wenn die Kinder drin sind.

Da braucht man sich ja wegen Einbrechern keine Gedanken machen.

Bei diesem Satz knirscht es bei mir auf mehrere Ebenen. Aber das ist ein anderer Text.

Und nun?

Ein Hund, der sein ganzes, sozial-einsames Leben gemacht hat, was er will, soll nun von jetzt auf gleich funktionieren. Weil der Mensch an der selbstverschuldeten Klippe hängt und sich nicht mehr mit den Fingerspitzen halten kann.

Ich kotz´ im Strahl.

Dennoch versuche ich professionell freundlich zu bleiben.

Ob eine Hundeschule besucht worden ist?

Ja, mehrfach. Und genauso oft sind wir rausgeflogen oder mussten an der Seite stehen,

nur weil der Arsch nicht mitgemacht hat!

Und was haben die Trainer zum Hund gesagt? (Der Scherz verpuffte in Unverständnis.)

Können Sie die Töle jetzt einnorden, oder übersteigt das Ihre Fähigkeiten als Hunde-Schizi?

Grob fahrlässiges Verhalten, über Jahre, kann man nicht wie ein Pflaster abreissen und reparieren. Es ist Arbeit, mehr, als es am Anfang gewesen wäre, denn Hundi ist nun erwachsen.

Und…Hunde-Schizi zeigt jetzt schon sehr plastisch, wie die Einstellung des Halters zu meiner Arbeit ist.

Hat mal einer den Hund gefragt, wie es ihm allein und offensichtlich in großen Teilen unverstanden, in seinem Sozialverband geht?

Wo ihn keiner so wahrnimmt, wie er es benötigt.

Wie er es verdient?

Wie es jeder verdient!




So packe ich meine Tölen-Klempner-Tasche, hülle meinen Hals auf den Halter in den Schal der Professionalität.

Die Tür geht auf, der Halter schimpft despektierlichst über den Vierbeiner. Ich lasse ihn reden.

Dann kommt der Hund, neugierig, traurig, kontaktsensibel und im eigenen Zuhause orientierungslos.

Seit Jahren.


Ich bin gerne Hundetrainerin, Verhaltenstherapeutin…Tölenklempner…Hunde-Schizi…und Halter-Einnordende.

An jedem Hund kann man schrauben, ein Ventil hinzufügen, ein Loch im Kopf oder Herz stopfen und so das System in geordnetere Bahnen bringen. Man spielt ein Update auf das Betriebssystem und steuert den Zündfunken. Trennt den Kreislauf in Tag- und Nachtphasen und reguliert den Zulauf an Material.

Die Fehlzündungen werden weniger und …wenn alle gut mitarbeiten, kann man gemeinschaftlich simmern.

Nehme ich keine Wartungsarbeiten vor und repariere nur notdürftig, wenn überhaupt, muss ich nicht wundern, wenn mir alles um die Ohren fliegt.

Wenn ich als Halter noch genügend Energie zum Jammern habe, kann es nicht so schlimm sein.

Es geht nicht ohne Reflexion, denn auch Hunde sind das Produkt ihrer Erziehung.

Die Jammer-Energie kann man in Arbeit mit seinem haarigen Kumpan umwandeln.

Dann wird es besser.


Immer.



Silvia Dober

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