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  • Silvia Dober

Iss mir lecker!

Tierpsychologie Dober 26. Januar · Feierabend. Endlich. Manchmal gibt es lange Tage, manchmal kurze. Manchmal ist der Tag schon um und verplant, bevor man sich die zweite Tasse Kaffee gegönnt hat. Was mich am Ende jeden Tages dazu bringt, den Stress, Ärger oder auch einfach nur die Anstrengung zu vergessen, sind meine kleinen Untertanen. Ok, ganz so klein sind sie nicht. Ellie ist ein Kangal-Mix mit schnuckeligen 30kg. Theo ein Bardino-Podenco-Verhau mit 57cm Stockmass und auch knappen 30 kg. Und unabhängig von Größe oder Masse, es sind immer die Kleinen für mich. Wie das so ist, viele Halter werden es kennen, ist man glücklich, wenn es dem haarigen Kumpan gut geht. Sowohl geistig, als auch körperlich. Bei vielen Lebensformen ist es der Fall, daß eine ausgewogene, gute Ernährung nicht nur ein lukullisches Vergnügen ist. Es kommt einem auch direkt auf der Arztrechnung zu Gute. Quasi eine Form von Wartungsarbeiten. Kloppe ich mir nur Fastfood in die Birne, pfeif mir ausschließlich Limos rein, renne vor Obst und Gemüse weg und denke, daß Ballaststoffe kleine Gewichte am Korb des Heißluftballons sind, geht das in der ersten Zeit vielleicht noch gut. Später zeigt sich die ein oder andere Mangelerscheinung. Mineralien, Vitamine, Spurenelemente und nicht industriell in Grund und Boden zubereitete Lebensmittel sorgen dafür, daß sich mein Körper gut und funktionsfähig anfühlt. Das Immunsystem verrichtet seinen Dienst. Ich kann Leistung erbringen, ohne wegen Erschöpfung zittrig zu werden. Mein Gehirn bastelt sich nicht irgendeinen Scheiß zurecht und ich nehme die Umwelt reflektiert wahr. Die aktuellen Trends bei Ernährungsmodellen kann ich mitmachen, muss ich jedoch nicht. Das ist meine Entscheidung. Meine. Der Hund… kann das nicht individuell entscheiden. Er muss aus den Dingen wählen, die ihm präsentiert werden. Biologisch gesehen ist der Kulturfolger omnivor (Allesfresser) mit Schwerpunkt auf Fleisch. Wenn ich meinen Hund nur mit Fleisch bedenke, sieht das zwar auf einer Seite sehr gönnerhaft aus, auf der anderen Seite bringt es Schnuffi langfristig um. Ebenso ist es zu überdenken, wenn ich meinen Hund dauerhaft zum Vegetarier oder Veganer mache. Trendige Ernährung ist die eine Sache. Artgerechte Ernährung die andere. Die grobe Verteilung der Komponenten sollte so sein, wie es bei Beute auch der Fall wäre. Da nehmen wir mal Meister Lampe als Exempel. Vor uns liegt ein Hase. Die unterschiedlichen Komponenten aus Fleisch, Knochen, Fell, Mageninhalt zeigen gut das ungefähre Verhältnis an, was ein bellender Organismus braucht. Es gibt übrigens keine vegetarischen Kaninchen. Selbst im Schokoladenhasen ist Milch. Jaaaaa, es gibt auch vegane Schokolade. Die schmeckt auch anders. Ich hatte da schon ein paar Referenzen in meinem Feinkostgewölbe. Es geht hier um Hunde, nicht um Veganer. Die ganze Nassfuttergeschichte ging früh los. Mit dem ersten Weltkrieg. Irgendwie kam man zu einem gigantischen Vorrat an toten Hottemaxen. Mag auch an dem ganze Blei in der Luft gelegen haben. Ein Teil wurde selber verzehrt, der Rest ging in Konserve. Bei rund 8-10 Mio toten Pferden blieb dann auch was für die Kötis über. Sofern diese nicht auch im Krieg zum Einsatz abgezogen worden sind. Es entwickelte sich daraus eine Industrie und wir sind beim heutigen Stand der Dinge gelandet. Die Zeit sieht vor, daß sich Dinge ändern. So änderte sich auch die Zusammensetzung von Futter. Das Sortiment wuchs in Breite und Tiefe. Unterschiedliche Proteinquellen immer abstrakterer Genese. Bio. Vegan. Vegetarisch. Getreidefrei. Barf in diversen Ausführungen. Trockenfutter, Semi-Moist, Nassfutter, Kroketten, Nahrungsergänzung, Öle, Mischkost, Demeter… nur eine Auswahl und bis ich alle Variationen aufgeschrieben habe, ist der Hungrige umgekippt. Vor Schwäche, nicht vor Langeweile. Was ich oft von meinen Kunden höre ist, wie sie ganz stolz berichten, daß ihr Hund nicht leiden muss, sondern getreidefrei ernährt wird. Denn der Hund sei schließlich ein Fleischfresser, wie der Wolf. Dann gucke ich mir den Futterbeutel an und sehe als erste Zutat Getreide. Dann Mais und/oder Reis. Der Gesetzgeber schreibt vor, daß die Auflistung anteilig zur Menge angegeben wird. Also, was zuerst angegeben ist, ist am meisten drin. Nur kann ich damit auch mein Meerschweinchen füttern und es nimmt keinen Schaden. Getreide fungiert als günstige Energiequelle, ist jedoch in der Proteinbilanz nicht gleichwertig zum tierischen Pendant. Hunde haben, im Gegensatz zu Wölfen, über die Jahrtausende in Verbindung zum Menschen, ihre Verdauung angepasst. Das Angebot der stärkehaltigen Ernährung hat das Verdauungssystem nachhaltig verändert. Moderate Mengen an Getreide kann der Hund mit seinem (im Vergleich zu Pflanzenfressern) verkürzten Dünndarm verwerten. Ein Blick ins Gebiss zeigt …Reißzähne für Fleisch, nicht Mahlzähne für Weizen & Co. Könnte ebenfalls ein Hinweis von Mutter Natur sein. Die Fähigkeit der Enzymanpassung individuell. Nicht nur rassentypisch, sondern von Hund zu Hund unterschiedlich. Laut einer Studie aus 2009 (von Nicola Becker) basieren Futtermittelallergien zu 38% auf Getreide (inkl. Reis!). Somit ist das Lieblingskind der Brotnation gleichzeitig der Buhmann der Hundeernährung. Da kann ich etwas empfehlen: wenn Hundefutter gekauft wird, einfach mal lesen, was hinten drauf steht. Und nachdenken. Mit dem Gehirn. Nicht mit dem Geldbeutel. Oft stehen, genauso kosmetisch wie in der humanen Ernährung, hübsch tituliert die unnötigsten Dinge drauf (Geschmacksverstärker, Bindemittel, Konservierungsmittel, Salze, Zucker, Farbstoffe). Hauptsache kein Getreide drin, aber warum der Hund im Dunkeln leuchtet, der Haufen halb so groß wie der Produzent ist und die rosa Kacke knistert, kann ich mir auch nicht erklären. Muss ich auch nicht. Der frisst und kackt eben viel. Spätestens da… je größer die Portion Gesäßpastete, desto weniger konnte Schnuffi von der Mahlzeit verwerten. Lippisch gesprochen: ich hab die Kohle in den Straßengraben geworfen, nachdem der Vierbeiner sie erst eine Weile durch die Gegend getragen hat. Es kommt preislich nicht schlimmer, wenn ich kostenintensiveres Futter kaufe und davon weniger füttern muss, weil es besser verwertet werden kann. Der Hund kackt keine Haufen, wo jedes Pferd wegen der abgelieferten Menge Respekt zollen würde. Der 10 kg Sack kostet 17 €, Trockenfutter Typ Rind. Dreht man den Beutel um und liest die Inhaltsangabe durch, so sind es 4% Rind (und tierische Nebenerzeugnisse). Getreide in Summe 85%. Also 400g „Rind“ und 8500g Mähdrescherernte. Wenn ich mit 400g Wurst 8,5kg Brot belegen soll, werden das sehr spartanische Bütterchen. Oder auf dem Futterbeutel steht Premium. Dann ist das auch Premiumqualität. Sonst dürfte man das sicherlich nicht draufschreiben. Sind dann in Kinderschokolade…? Das Hauptfutter ist getreidefrei, aber als Belohnung gibt es Kekse von der Leckerli-Theke. Tierische Nebenerzeugnisse sind nicht pauschal schlecht. Jedoch sollte angegeben sein, was drin ist. Manches erwirbt man vorsätzlich: Hühnerfüße, Kopfhaut, Därme …als Zwischendurch-Schmackofatz sind nichts Neues. Aber wie sieht es mit der dunklen Seite der Nebenerzeugnisse aus? Federn, Wolle, Hörner, Hufe…muss das? Und dann noch Sand… ne Tonne Sand ist günstiger, als ne Tonne Fleisch. Sofern es Euch nicht zu sehr ekelt, probiert es doch mal. Manchmal fühlt man, wie es zwischen den Zähnen knirscht. Und das mampft sich Schnuffi eine Weile hinter die Binde… weg ist der Zahnschmelz. Unterm Strich bleibt für mich nun zu sagen: bleibt in der realen Welt. Wenn 10kg Hundefutter 17€ kosten, kann das nicht in der Zusammensetzung der Burner sein. Wenn Kekse alle Regenbogenfarben haben, damit man sie geschmacklich auseinander halten kann, werden voraussichtlich keine Regenbögen verarbeitet worden sein. Es spricht nichts gegen die gute, alte Chemie. Wenn ich krank bin, möchte ich im Bedarfsfall nicht auf eine funktionierende Antibiose verzichten. Die Frage ist nur, mit was ich meinen Körper im Alltag am Laufen halte. Was ich mit meinem Körper anstelle, wie lange und wie gut dieser funktionieren soll. Was ist mein Verständnis von einem Lebensmittel, oder greife ich pauschal auf Nahrungsmittel zurück, weil es einfacher ist? Es ist die Melange aus dem, was ich will und was ich brauche. Aus dem, was ich für mich möchte und wie mein Anspruch ist. Aus dem, was ich bereit bin zu zahlen. Was ich mir leisten kann. Preiswert heisst nicht billig. Preiswert heisst, den Preis wert zu sein. Diese Entscheidung treffe ich für mich, meine Familie und die kleinen Zeckenspender. Der Hund wird billigst ernährt, aber selber hat der Halter nen Handy für 1000€ aufwärts…da passt was nicht. Ob mir persönlich das Hundefutter geruchlich, optisch oder in anderer Weise sensorisch gefällt, ist egal, denn ich muss es nicht fressen. Ich habe die Verantwortung, daß kein Scheiß drin ist. Wenn Fiffi seinen Energiebedarf durch meine Hand erhält, dann ist es mein Job, daß alles drin ist, was notwenig ist. Das Plus ist verhandelbar, die Basis ist es nicht.

Silvia Dober



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