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  • Silvia Dober

Hungaaaaaa!

Aktualisiert: 27. Dez 2020


Man muss immer mit dem Hund trainieren. Er darf nie etwas einfach so bekommen. Die normale Ernährung muss immer ohne Aufgaben sein. Jeder Hund muss seinen eigenen Fressplatz haben. Hunde sollen nicht zu nah beieinander fressen. Hunde sollen nicht alleine fressen. Rohes Fleisch füttern macht Hunde aggressiv. Hunde sollen nur weißes Fleisch fressen, denn in rotem Fleisch ist zuviel Blut. Den obigen Absatz fasse ich mal grob unter AUA zusammen. Leider nur so schon alles gehört.

Im Clip sieht man mein aktuelles Rudel. Von links: Ellie (16 Monate, seit 9,5 Monaten bei uns), Theo ( 23 Monate, seit 1,75 Monaten bei uns), Paddy (144 Monate, seit 142,5 Monaten bei uns). Die Hand ist 528 Monate und seit 496 Monaten mit Hunden verbunden. Soviel zu den Akteuren.

Das Trio bekommt sowohl aus dem Napf, aus der Hand und auch einfach nur auf den Boden gestreut wie bei der Ziegenfütterung im Streichelzoo.

Ich möchte mit diesem Clip einfach nur zeigen, daß man viele Sachen auf angenehme Weise miteinander kombinieren kann. Es gibt eine ganz normale Mahlzeit, in diesem Fall 1,5kg Schmorbratenpuzzle. Der Hundechef, Paddy bekommt immer den ersten und den letzen Happen. Immer, denn er ist der Chef der Hierarchie. Dann kommt Ellie, denn sie ist, nachdem sie durch Sterbefälle ad hoc zwei Plätze empor stieg, die Nummer 2. Als 3. bekommt Theo. Die Reihenfolge wird bei allem eingehalten, denn ein Hund muss seinen Platz / seine Position im Rudel kennen. Die gilt dann überall. Das schafft Ruhe und Sicherheit. Wenn man aus dem Haus geht, vom Spaziergang wiederkommt, ins Auto einsteigt, oder beim Spachteln. Da ist sie schon, die erste Übung, obwohl es um Nahrungsaufnahme geht! Dann müssen sich die Furzis gedulden, bis sie endlich an der Reihe sind. Uuuund, nicht selber an das Buffet gehen, wenn man selber gerade nicht dran ist, nur weil es vor einem auf Nasenhöhe und Schnappentfernung liegt. Ein kleiner Gruß aus der Impulskontrolle. Tadaa, die zweite Übung. Gerade am Anfang geht es den Hungrigen nicht schnell genug, da kann man schon mal ein wenig motzen, versuchen es dem anderen vor der Nase wegzuschnappen. Der Regierungsgriffel reagiert gelassen und übergeht wertungsfrei den Querulanten. Alles in Ruhe, ohne Blabla. Es ist nicht schlimm, wenn man als Hund mal eine Scheißidee hat. Das Lernen durch beobachten ist für den Hund völlig natürlich. Der Opportunist findet das nicht geil und wird möppelig. Damit zieht er dann das Ticket für die nächste Leerfahrt. Bei den anderen beiden Orgelpfeifen sieht man nur: Dein Verlust ist unser Gewinn! (Leider nicht im Clip zu erkennen, denn das Trio weiß, wie es geht. Aber genauso ist es damals auch abgelaufen und läuft bei Gasthunden heutzutage noch so.) Der Frust wird in kontrollierte Bahnen gelenkt, denn Motzkoppovic hat gerafft: eben gab es was, jetzt benehme ich mich anders und es gibt nichts mehr... dann puhlen wir das vorherige Gebahren mal wieder aus der Versenkung. Und mjöm mjöm, leggarrrr! Motzkoppovic ist nach meinen Standards wieder gesellschaftstauglich, also gibt es was zu schnubbeln.

Bäm, dritte Übung..."wenn ich mich adäquat benehme, habe ich was davon"- Lernerfolg.

Gemeinsam so nah zu Fressen setzt eine gesunde, geordnete Struktur voraus, denn bei Futterneid oder sonstigen Allüren kann man dem Nachbarn schnell und heftig mal in die Omme hacken. Aber die Chefin (das ist die, die gerade schreibt), ist voll die pinselige Mistkuh und dann ist wieder Schluß mit Mampfen.

So lernen Hunde, ohne, daß es wie Liegestütze rüberkommt. Es wird in den normalen Habitus eingeflochten, bezieht sich auf Notwendigkeiten des Alltags und festigt. Nicht nur den Hund, sondern auch meine Position im Rudel. Trotz 50% Läufedefitzit und der Zugehörigkeit zu einer anderen Spezies, der Mensch gehört für den Hund zum Rudel.

Wenn man sich die Mühe macht mit dem Hund in seiner Sprache zu sprechen, versteht der einen verrückterweise. Dann rafft er, was man von ihm will, macht des Profits wegen mit und am Ende ist man eine zufriedene WG, bei der nur einer im Mietvertrag steht.


Silvia Dober

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