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  • Silvia Dober

Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird: Beschwichtigung

Aktualisiert: 14. Nov 2019


Wenn ich jemanden beschwichtige, dann versuche ich die Person damit zu beruhigen.

Zwei Streithähne stehen voreinander und die Eskalation scheint nah. Da kommt ein Außenstehender, trennt die Randalierer indem er sich in die Mitte stellt, die Arme hebt, die Handflächen zeigen nach vorn, die Stimme ist ruhig und wirkt deeskalierend auf die Kontrahenten ein.


Sowas gibt es auch in der Welt der Hunde. Beschwichtigungssignale dienen dazu aggressives Verhalten zu reduzieren / vermeiden und für eine Beruhigung der jeweiligen Situation zu sorgen. Werden diese Signale nicht verstanden, ignoriert oder folgen weitere Provokationen, kann es letztendlich zu einer aggressiven Reaktion kommen. Das ist jedoch nicht das Ziel, denn beim Zeigen von Beschwichtigungssignalen, hat der Hund bereits Stress, teilt so mit, daß es ihm zuviel wird oder unangenehm ist.

Was sind das nun für Signale, die das Zusammenleben einfacher machen?


Vorab, alles kann einzeln, nacheinander oder auch zusammen gezeigt werden. Alles kann, nichts muss. Deswegen ist auch hier ein detailverliebtes Auge wichtig. Hier eine Auswahl:

Der Kopf wird gesenkt, der Blick und/oder der Körper abgewendet, die eigene Schnauze lecken, sich hinsetzen oder ablegen (gern auch mit dem Rücken zum Kommunikationspartner), am Boden schnüffeln, mit dem Schwanz wedeln, erstarren, Verlangsamung der Bewegung, Bögen oder Schlangenlinien laufen, splitten / dazwischendrängen, schmatzen, gähnen, blinzeln...


Die Gefahr liegt nun darin, daß man diese Signale übersieht oder vorschnell wertet, denn viele Signale werden auch in anderen Bereichen, zum Teil mit doppelter oder dreifacher Belegung (Bellen, Lecken, Schnüffeln, Gähnen...) im Alltag benutzt.

Der Einsatz der Beschwichtigung erfolgt im Konflikt mit Kontrahenten. Oder es geschieht etwas, was dem Hund unheimlich oder fremd ist. Es ist die Möglichkeit des Vierbeiners mitzuteilen, daß ihm bei der aktuellen Situtaion unwohl ist.

Ein Beispiel aus dem Alltag, das vielleicht der ein oder andere schon erlebt hat. Man stromert durch die Landschaft, lässt die Seele baumeln und beobachtet den Hund, wie er im Freilauf sein Leben genießt. Aus der Entfernung naht ein Auto. Ok, Zeit den Hund abzurufen. Der buddelt sich gerade eine Direktverbindung nach China. Na gut, vielleicht hat er mich ja nicht gut gehört, so ein Erdloch hat offensichtlich eine eigene Akustik. Das Auto kommt näher und so langsam macht man sich Gedanken. Die schwingen auch stante pede in der Stimme mit. Der Abruf wir lauter und die Sorge einer möglichen Kollision verleihen dem Signalwort schon ein paar schrille Obertöne.

Gut, Schnuffi hat es endlich gehört.

Aber, was hat er denn nur, der Mensch? Dann gehe ich da mal hin.


Hund und Auto beinahe auf einer Höhe, der Mensch dreht am Rad, weil er den Hund schon als Kühlerfigur sieht. Der Hund versteht nicht, warum sich der Zweibeiner so aufregt, aber wenn der schon auf 180 ist, dann macht Hundi mal lieber ein cool down. Wenn er jetzt noch in voller Geschwindigkeit auf den Mensch zurennt, könnte der das ja falsch verstehen und sich angegriffen fühlen?!

So läuft Schnuffi einen leichten Bogen, drosselt die Geschwindigkeit und gähnt prophylaktisch. Der Mensch dreht am Rad, jetzt macht das Mistvieh auf dem Umweg zu mir noch ein Nickerchen... so reden beide aneinander vorbei. Das Auto ist übrigens auch schon weg.

Irgendwann trudelt der Hund beim Halter ein, kriegt einen Anpfiff, warum das so lang gedauert hat und beide ziehen unzufrieden von dannen. Der Hund tat alles, um den Halter vor einem Herzinfarkt zu bewahren. Der Halter bekamm beinahe den Herzinfarkt, weil der Hund immer langsamer wurde und den direkten Weg auch nicht *nötig* hatte.


Der Halter rief streng nach dem Hund, der als erstes schnüffelte und wegguckte. Dann legte der Mensch durch wachsende Sorge einige Dezibel drauf, der Hund wurde langsamer und lief im Bogen auf seinen Menschen zu. Der Hund teilt durch Beschwichtigung mit, daß die Befindlickeit des Halters registriert wurde und versucht im gleichen Zug die Bedrohung, die vom Halter in diesem Moment ausgeht, zu verringern.

Beschwichtigung dient nicht nur zur Beruhigung einer Sitaution, sie äußert auch Stress des Hundes, der sie anwendet. Permanente Zurechtweisung, Konflikte mit Menschen oder anderen Hunden und vieles mehr, schlagen dem Hund auf die Psyche. Wenn man diese Signale liest und ernst nimmt, hilft es nicht nur in der Situation, sondern auch langfristig der Seele des Hundes.

Am Ende gibt es allerdings auch die Art von Mensch, die ihrem Hund über Drill und Schärfe

diese Beschwichtigungssignale abtrainiert. Der Hund wird in seiner arttypischen Kommunikation beschnitten. Klingt doch nicht schlecht, wenn er dafür nicht mehr rumtrödelt? Weit gefehlt!!

Das Tier wird unsicher und das Selbstvertrauen sinkt, was am Schluss sogar in Verzweiflungstaten / Selbstverteidigung kippt, die nicht geschehen würden, hätte man vorher dem Tier den Respekt gezollt, den es verdient. Ein Hund muss sich ausdrücken dürfen!

Sieht man es nun von der positiven Seite, kann man diese Beschwichtigungssignale als Mensch auch dem Hund gegenüber einsetzen und so das Zusammenleben optimieren. Ein Mensch kann gähnen, sich seitlich stellen, mal woanders hingucken, schmatzen, abschnaufen, blinzeln oder mal nicht direkt auf den Hund zustürmen...








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