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  • Silvia Dober

Es rappelt im Karton


Wenn man bei uns aus dem Fenster guckt, ist auf der rechten Seite die Futterstation für mein fliegendes Gartenradio. Das Vogelbuffet zieht nicht nur Piepmätze an. Auch die ein oder andere Mietzekatze hofft darauf, daß sie indirekt mitgefüttert wird. Manchmal haben die Stubentiger Glück. Das ist zwar nicht so, wie ich es gern hätte, aber nunmal die Natur. Und ein wenig forciere ich auch ein Ungleichgewicht, den Tweety & Co werden ganzjährig von mir subventioniert. So ist der Himmel zwar nicht schwarz vor Vögeln, aber eine beständige Population von Spatzen, Meisen, Goldammern, Distel- und Buchfinken, Rotkehlchen, Amseln verlustieren sich an der Tafel. Dazu ein Paar Tauben, ein Paar Türkentauben, nen Buntspecht, Eichelhäher, Bachstelzen und noch nicht identifizierte Fluggeier mäandern durch das Grün. So habe ich, wenn auch nicht vorsätzlich, ein Katzen-Restaurant kreiert. Selbige hocken nun im Gebüsch unterm Mandelbaum und hoffen auf einen unachtsamen Vogel, oder auf die opportune Ratte, die auch ab und an vorbei schaut.

Theo festgestellt, daß am fly-through als Bodenpersonal der Garfield hockt. Also bedeutet das für das letzte Rausgehen abends, daß ein potenzieller Jagderfolg als Betthupferle auf ihn wartet. Fundiert wird der Gedanke, weil er schon zweimal kurz vorm Jackpot stand = Katze gestellt. Diese hatte sich jedoch vor dem letalen Schnapper durch den Zaun verpieseln können.

Da Jagdverhalten selbstbelohnend ist, muss Theo für den Kick Mietzi nicht im Fang komplett sichern. Es reicht die Hatz danach, der Anblick aus kurzer Entfernung, nen kleiner Quast aus der Katze Fell zwischen den Zähnen, nachdem sie ihm entwischt ist. Bevor nun abends zum letzten Pullern die Terrassentür aufgeht, steht er schon total aufgekratzt und jagend wollend vor der Tür. Jabbelt und tanzt trippelnd, leicht nervös und ungeduldig. Das ganze Trara steigerte sich weiter, bis Ellie eines Abends auch mit ins Geläut einstieg. Tja, somit muss ich der ganzen Sause den Hahn abdrehen. Darauf habe ich keinen Bock und wohin soll das noch führen? Lernen durch Nachahmung brachte Madamen zum Jodeln…die Entwicklung brachte mich zum Brodeln. Aus nix machen und warten, daß die Führungskraft die Tür öffnet, wurde quengeln und hibbeln, damit die Olle endlich ein wenig an Speed zulegt. Auf sowas hab ich keinen Bock und deswegen wurde dem emotionalen Vandalismus ein Steinchen in den Weg gelegt. Das Steinchen heißt Leine. Da Ellie die vernünftigere von beiden Spinnern ist, bekam sie sanktionstechnisch noch eine Schonfrist.

Nun war es Abend. Viertel vor Sandmännchen. Die Kurzen standen bereits an der Tür zum Garten und scharrten mit den Hufen. Theo kam an die Leine, Ellie …noch nackig auf Kulanz ohne alles. Die Hand am Türgriff und die Hundis bimmelten los. Hand wieder weg vom Türgriff. Fragezeichen im Wohnzimmer. Bis 5 gezählt, Hand an den Türgriff, Hundis wie im Jabbelmodus, Hand wieder von der Türklinke. Drei Wiederholungen und endlich war Ruhe.

Tür langsam auf, Theo auf Spannung. Ellie guckt mich an. Sie bekommt als Belohnung das was sie will (die Freigabe) und darf in den Garten pesen. Wie immer, bis hinten hin und alles ist gut. Das fand Theo nicht wirklich nett, denn schließlich will er ja auch. Irgendwann kullerte ihm durch den Kopf, daß da noch jemand ist, die die Entscheidungen trifft. Blick nach oben, jau, da isse. Belohnung: sie (Chefin) geht durch die Tür. Das verpasste dem Hund noch einen kleinen Puffer und etwaige Katzen haben noch etwas Vorsprung.

Dann kam die Freigbe für Theo. Der knallt aus der Tür, um den Mandelbaum…und findet nichts beuteartiges. Sowas aber auch. Man kann auch gut erkennen, daß es ritualisiertes Verhalten ist, denn zu jeder anderen Tageszeit findet dieser Ablauf seinerseits nicht so statt. Nur abends, beim letzten Pullern. Man könnte nun einfach mit ihm gleich hinten in den Garten gehen und den Piep-Mietzi-Check Point komplett vermeiden. Oder man kürzt die Leine ein und er darf einfach nicht mehr nach eigenem belieben vorpreschen. Oder, man blockiert den Attackekorridor. In diesem Fall mit einem riesigen Karton. Der stellt vorrangig eine visuelle Begrenzung dar. Natürlich auch eine physische, denn drüberhuppen kann er nicht. An einen Abbruch im Jagdverhalten ist bei ihm nicht zu denken, denn in dem Moment, wo er wegen Beute losrennt, hat er im Kopf nur noch Bauschaum und appe Ohren.

Nun geht es abends im leicht veränderten Habitus raus. Ellie darf zuerst. Dann Theo. Dann hört man ein Tock. Dann wird frustriert abgeschnauft und etwas gemöppelt. Im Anschluss kommt der Schnuffi aus der Rabatte.

Jetzt kann man sagen, der Arme der sich den Kopf am Karton einschlägt, wenn er einen auf Crashtest Dummy macht. Aber zum einen, es ist Karton, nicht Beton. Zweitens geht bei ihm da nichts kaputt. Drittens…er kommt ja noch nicht mal auf die Idee von der anderen Seite um den Baum zu gehen. Die ist völlig frei und locker zu passieren. Aber sein Navi hat dieses Update nie downgeloadet.

Die Tocks werden immer schwächer, er bremst nun langsam etwas ab…nach dem 5. Abend in Folge. Wenn ich keine Tocks mehr höre, kommt der Karton wieder weg. Wenn er nicht mehr losspringt, als ob ihm der Kittel brennt, kommt die Leine wieder weg.

Wenn man sich in bestimmten Punkten einfach nichts sagen lassen will, dann muss er es eben selbstständig lernen. Das dauert bei ihm länger, als bei allen anderen Hunde, die je bei uns gewohnt haben. Aber das macht nichts. Ich hab Zeit und Nerven, er hat bei uns lebenslänglich. Das wird schon.


Silvia Dober




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