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  • Silvia Dober

Ein Plan ist besser als kein Plan...

Aktualisiert: 31. Dez 2019

Wenn man einen Hund bekommt, egal in welchem Alter, macht man sich zumeist/ hoffentlich Gedanken, was der neue Sozialpartner braucht. Welpenspielstunde, Grunderziehung, Buddies zum Toben, Aufbaukurs, Korb, Leine, Futter, Zuneigung, Ansprache, einen Platz im Sozialgefüge der Familie, Impfungen, Zahnkontrolle... und so weiter. Das Ganze zieht sich quasi unendlich fort.

Bis dann das Ende erreicht ist.

Nur, was dann? Der Hund verunfallt und ist schwer verletzt. Ab in die Tierklinik oder zum Veterinär und hoffen, daß alles gut geht. Manchmal klappt das, manchmal nicht. Das sind akute Vorkommnisse, auf die man nur noch reagieren kann. Ein emotionales Grenzgebiet, daß rationale Entscheidungen kaum möglich macht. Was jedoch, wenn man eine Diagnose für sein Tier bekommen hat, bei der die Zukunft deutlich verkürzt ist? Eigentlich ist durch einen Befund wie Krebs im Endstadium oder eine ausgebrochene Borreliose das Schicksal des Hundes besiegelt. Warum dann nicht gleich den finalen Schritt gehen und das Tier von seinem Leid erlösen? Ganz einfach, weil es nicht sein muss.


Es gibt einige Parameter, an denen man ausmachen kann, ob Schnuffi noch will. Ob Schnuffi noch kann. Der Hund weiß nicht, wie es um ihn steht. Die Frage ist nur, ob man es als Halter erträgt, seinem geliebten Hund beim Sterben an der Seite zu stehen. Denn das ist das, was der Hund tun würde...bis zum Ende an meiner Seite sein. Hunde sitzen nach Tagen noch bei ihren verstorbenen Haltern, wenn diese zum Beispiel nach einem Schlaganfall tot von der Feuerwehr aufgefunden werden.


Ist man stark genug, den Hund wie einen Hund zu behandeln und nicht, wie einen, der mit jedem zweiten Herzschlag schon im Jenseits die ersten Marken setzt. Das stresst den Patienten nur unnötig, denn... er weiß ja nicht, was los ist. Er sieht nur seinen Menschen bedrückt, erlebt ihn überfürsorglich und ständig läuft dem Zweibeiner das Wasser aus den Augen. Und die Nase läuft, obwohl der Mensch eher nach Stress und Angst riecht und nicht wie sonst, wenn er einen Rotz hat und deswegen die Arbeit sausen lässt. Was ist denn nun los?


Erste Priorität liegt auf einer Schmerzfreiheit. Dann kommt der Appetit ins Spiel. Solange noch gefressen wird, geht es dem Tier meistens gut. Ebenso spielt eine Rolle, ob sich das normale Verhalten ändert. Steht der Hund, so wie immer, in der Tür, wenn ich nach Hause komme. Will er spazieren gehen, zeigt er Interesse an anderen Dingen oder Hunden? Ist Katzen jagen immer noch geil? Macht er die Sachen, die er sonst gemacht hat, oder zieht er sich zurück und will am liebsten keinen sehen? Was muss alles unternommen werden, um diesen Status zu halten (ist er überhaupt haltbar). Oder kann er sich nach Ruhephasen beim Aufstehen mal richtig durchschütteln und alle Muskeln lockern? Tiere nehmen bei schwerwiegenden Krankheiten oder hohem Alter genauso ab, wie es Menschen tun. Die Nahrung wird selektiert, nicht mehr alles gefressen und der sich verändernde Stoffwechsel trägt sein Scherflein dazu bei. In Folge wird das Fell struppig, fällt partiell vielleicht sogar aus und das Kummerküken magert ab. Auch hier, Gewichtsverlust unter das Normalgewicht ist kein Grund für Euthanasie (Models, Marathonläufer, Balletthasen, Leichtathleten...bringt deswegen auch niemand um und das ist auch gut so!). Solange der Hund Leben will, darf er leben.

Nun gestaltet es sich so, daß das Unausweichliche an die Tür klopft. Der Hund ist definitiv auf der Zielgeraden. In den wenigsten Fällen läuft es so wunderbar, das die Fellnase einfach morgens ohne Vitalfunktionen im Korb liegt. Im Schlaf sterben ist eine Gnade.

Wenn er bei Bewusstsein ist, geht nicht weg, weil ihr Angst habt oder es nicht ertragen könnt. Nehmt ihn in den Arm, setzt Euch zu ihm auf den Boden, hüllt ihn in Euren Geruch, Eure Worte und Eure Wärme. Lasst ihn nicht allein. Auch nicht, wenn ihr mit ihm zum Tierarzt müsst (die meisten Tierärzte kommen zum Einschläfern jedoch nach Hause). Die Hunde suchen Euch, suchen Halt bei einer Person des Vertrauens in einer Situation, in der sie durchaus merken, daß etwas nicht stimmt, daß völlig fremd für sie ist (sterben kann man nicht üben), daß es gleich ans Eingemachte geht. Und auch, wenn es jetzt pietätlos klingen mag, macht Euch vorher Gedanken um nachher. Denn der Moment wird schlimm genug, da braucht man nicht noch administratives Klimbim als zusätzliche Belastung.


Was soll mit dem Körper passieren? Soll er verbrannt werden? Dann kann man sich vorher schon informieren, wer da das passende Unternehmen ist, den dazugehörigen Kontakt abspeichern und schon vorher überlegen, was man als Arrangement in Erwägung zieht. Hat man einen Garten, kann man Hundi dort beerdigen, in etwas, was auch in der Natur verrottet. Je nach Hund kann das schon ein ziemliches Loch benötigen (mindestens 50cm Erde über dem Kadaver, 2m von jeder Grundstücksgrenze entfernt, nicht im Naturschutzgebiet, nur auf Privatgelände). Die Erde muss etwas erhöht aufgeschüttet werden, weil das Grab einsacken wird und am besten legt man zur ersten Sicherung noch etwas Schweres drauf. Heulend mit dem Spaten im Garten... nicht alles, was sich reimt ist gut. Zum Glück ist Hundi das Ausgraben der letzten Ruhestätte kein Dorn im Auge, denn die Verknüpfung erschließt sich ihm einfach nicht. Ein Loch ist ein Loch ist ein Loch und gut ist.


Zu guter Letzt, die einfachste Methode: fragt

Euer Tier, ob es noch will. Blickt ihm in die Augen, schaut in seine Seele...Ihr werdet immer eine Antwort bekommen. Und danach wird verantwortungsvoll gehandelt. Es geht nicht um Euch und was Ihr wollt. Handelt nicht für Euch, sondern für den Hund. Das ist Eure Pflicht. Das ist Euer letzter Liebesdienst an einen wahren Freund.



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