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  • Silvia Dober

Dickkopf, Dummkopf, Schlaukopf...

Wie kommt die Info in den Schädel...und was macht sie da?

Lernen ist eine (relativ) dauerhafte und beständige Änderung des Verhaltens durch Erfahrungen. Ohne Lernen kann sich kein Lebewesen an seine Umwelt anpassen. Das heisst, wenn ich auf Gedeih und Verderb meinen Stiefel durchziehe, kann es sein, daß mein soziales Umfeld mir den Rücken kehrt, oder meine Interpretation der Weltherrschaft akzeptiert. Für dissoziale Lebewesen ein Konzept.

Oder ich groove mich auf mein gewähltes Rudel ein und lebe glücklich in meinem Sozialverband.


Man lernt immer, mal schneller, mal langsamer und es ist definitv von der Tagesform abhängig. Wenn man keinen Bock auf Rasenmähen hat, kriegt man das trotzdem hin, denn es ist eine Tätigkeit.

Aber schon mal Vokabeln gelernt, wenn man bereits bocklos das Buch in die Hand nimmt? Noch besser: Du darfst erst X, wenn du Y gelernt hast. Aber Y ist so garnicht meins, ich will lieber X... dann denkt man nur an X und Y ist lediglich die störende Barriere. Das wird kein vielversprechender Nachmittag. Aber ein langer.


Die Individualität des Hundes ist Taktgeber für die Art des Lernens. Manche lernen gut durch aktives Einbinden in den Vorgang, manche durch Versuch & Irrtum, andere lernen besser durch Beobachten. Oberste Premisse ist eine stressfreie Umgebung und eine positive Einstellung zum Hund. Ungünstige Lernsituationen blockieren nur, erzeugen Stress bei den Beteiligten und das eigentliche Ziel rückt in weite Ferne.

Aber, was sind denn nun Hindernisse, wenn man etwas Neues auf die canine Festplatte kriegen will?

Unerfüllte Bedürfnisse (Durst, Hunger, Müdigkeit), Angst und/oder Unsicherheit, Überforderung, Stress (Erwartungshaltung des Menschen), Übermotivation (Hektik), Misserfolge (Frust), unproduktive Lernmethoden (Bestrafung), ungünstige Lernumgebung, körperliche Beeinträchtigung... das hört ja garnicht mehr auf!


Wie es nicht geht, ist nun bekannt. Das hilft aber nicht wirklich.

Und nun!?


Am Anfang, und danach kommt eine ganze Weile nichts, steht der respektvolle Umgang mit dem Gehirn-Azubi. Die Individualität muss fair unterstützt werden.

Das bedeutet auch, daß Hundi nicht mit Druck in einen Verhaltensrahmen gestopft wird und der ab sofort Gültigkeit besitzt. Eine ausgewogene Kommunikation ist das A und O, um das erwünschte Verhalten nachhaltig zu lernen (Kommunikation ist gegenseitiges Wahrnehmen und Kennenlernen). Durch das Lesen des Hundes kann man das Handeln adäquat und nicht monoperspektivisch gestalten.

Was bringt es mir, wenn ich weiß, wie es geht, aber Schnuffi keine Ahnung hat, was ich von ihm will? Man versteht nicht besser, egal welche Lebensform, wenn man das Kommando in gleicher Form bringt, die vorher schon nicht funktioniert hat, diesmal aber zum besseren Verständnis brüllt, wie das Horn eines Dampfers unter Vollast?

Auch Silbentrennung mit Konsonantenaddition (komm...kohohommm..kommikommikomi....kokokokokommmmm) ist mehr publikumsunterhalten, denn sinnvoll.


Alles, was das vorhandene Band zwischen Mensch und Hund schädigt, ist Tabu. Ist die Bindung noch nicht so prall, ist PLATZ und vom Hund entfernen nicht wirklich sinnvoll. Der Hund ist sich nicht sicher, daß der Halter die richtige Entscheidung traf, ihn allein dort zu lassen. Das nicht ausgreifte Vertrauen in die Entscheidung des Menschen zwingt den Hund selbsterhaltend zu handeln. Also gibt er Hackengas und strebt zu seinem Dosenöffner. Der Zweibeiner sieht nur, daß der Hund nicht liegen bleibt, obwohl es ihm befohlen wurde. Also ist man nöckelig ob seiner ignorierten Diktatur und ranzt den "blöden Köter" an, der nicht macht, was er soll. Liegen bleiben kann ja wohl nicht so schwer sein. Der Hund sucht Schutz, rennt zum Halter und der macht ihn dafür zur Minna. Wieder was gelernt.

Der Mensch lernt: zuhause kann er es so, wie ich es von ihm will.

Der Hund lernt: Wenn ich mir nicht sicher bin, dann gibt es auch noch Mecker.


Für beide Säugetiere war der Trainingserfolg nicht zufriedenstellend und somit wird mit Frust die Sequenz beendet. Da freut man sich nicht so sehr auf die nächste Lernsituation.

Wäre der Halter objektiv, so wäre ihm aufgefallen, daß der Ablageort eventuell zu sehr einem Präsentierteller gleicht, oder ein passierendes Fahrrad mit Geklingel den Hund aufschreckte, oder eine Tür laut zufiel, oder Hundi noch dringend auf den Lokus musste (weil man gleich mit Üben angefangen hat), oder der Ablageort an der Grundstücksgrenze zum Kontrahenten ist, oder Hundi ist einfach total erledigt ist und kann sich nicht konzentrieren, oder er hat sich eben die Plauze vollgestopft und eher verdauen möchte, oder er kann PLATZ noch nicht richtig, oder BLEIB wurde mit dem falschen Handzeichen gegeben, oder, oder, oder.

Der Mensch sieht meist nur das umzusetzende Kommando, der Hund sieht/riecht die Umwelt und hat das Kommando als add on.


Es geht jedoch nicht darum, nur für die negativen Dinge einen Blick zu haben. Der Focus beim Lernen liegt auf dem, was ich erreichen möchte, nicht auf dem, was alles schief gehen kann. Die negativen Aspekte sind zwar im Hinterkopf (kalkulierbare Risiken), das positive Ziel steht jedoch im Fokus. Das positive Ziel auf positivem Weg. In kleinsten Schritten. Und jeder Schritt ist von Erfolg gekrönt, wenn man ihm die Gelegenheit dazu gibt.

Lernen ist nur unter optimaler Lernatmosphäre optimal. Nur was ist optimal, wenn man sich außerhalb seiner Wohlfühlgarnitur bewegt?

Unterm Strich bleibt: Gelernt wird immer, nur Qualität und Quantität lassen sich beeinflussen.

Jede Handlung, die negativ auf die Vertrauensbasis wirkt, oder das intrinsische Bedürfnis nach Lebenssicherheit und körperlicher Unversehrtheit nicht erfüllt, hat in einem Erziehungskonzept nichts verloren.

Wenn ich mit meinem Hund etwas übe, sind die Grundbedürfnisse befriedigt, alle Füllstände von Magen, Darm, Blase, Konzentration befinden sich im entsprechend grünen Bereich), die Umgebung ist angepasst (Fremdes zuhause im Lieblingszimmer, Bekanntes bei steigenden Umweltreizen festigen), die eigene Motivation & Toleranz gegenüber dem Eleven steht auf Maximum und ich habe selber Bock. Das ist unabdingar. Wenn ich nur halbherzig dabei bin, nimmt der Hund das via Stimmungsübertragung natürlich wahr. Hat selber dann nicht wirklich Lust zum Projekt, ist nicht bei der Sache, macht Fehler und kriegt dafür einen über den Zünder. Die Laune sinkt weiter, bei beiden, der Frust bekommt Rückenwind und damit wurde das Ticket für die Abwärtsspirale gezogen.


Selbst keine Verbesserung bei einer Übung ist als Gewinn zu sehen, wenn sie genauso gut durchgeführt wurde, wie beim letzten Mal. Das Stichwort ist Generalisierung. Die sorgt nämlich dafür, dass Wissen verankert wird und auch zuverlässig abrufbar ist. Selbst nach langen Pausen.



Silvia Dober




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