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  • Silvia Dober

Der wedelt doch mit der Rute...

Aktualisiert: März 9

...also freut er sich. Natürlich... und im Hundekuchen sind Hunde!


Was ist die Rute eigentlich? Manchmal erscheint sie so sinnvoll, wie ein Kropf. Sie wird amputiert, klemmt in der Tür, der letzte Teil vom Hund-der bei einer Flucht gebissen wird, verfilztes Gebammel.

Das kann doch nicht alles sein?


Auch dient sie als ein wertvolles Kommunikationsmerkal, Stimmunsbarometer, Rangampel, Wärmebrücke und schmückendes Beiwerk.


Die Rute scheint ein Eigenleben zu haben, denn selbst in Bewusstlosigkeit, wenn der Hund schläft, feiert sie ihre eigene Party. Auch ein schlafender Hund wedelt, wenn die Seele die Ereignisse des Tages verarbeitet.


Die Rute hängt in neutraler Haltung senkrecht vor sich hin. Quasi Abhängen bis zum nächsten Ereignis. Je aufregender es wird, desto mehr Action kommt in das hintere Ende. Entweder kerzengerade, wie der Holzlöffel in der Buttermilch oder straff gerollt (Akita) wird die verlängerte Wirbelsäule dazu verwendet, um seinem Gegenüber imponierend zu zeigen, daß man auch als Hund der dickste Karpfen im Teich sein kann. Natürlich beschränken sich alle Formen der Kommunikation nicht ausschließlich auf die Rute, man muss den ganzen Hund, das Display sehen.

Aber heute geht es um besagtes Körperteil.

Nun steht Schnuffi selbstbewusst in der Einfahrt, hat dem passierenden Hund via Ruten-Morse gezeigt, wer hier der Boss auf dem Hof ist, da nährt sich irgendwas Wuseliges. Was´n das? Wissenschaftlich gesprochen: Hä? Klein, fusselig, macht indifferente Geräusche und ist angeleint? Während dieser Beobachtungen senkt sich der Schwanz, der Hund ist wachsam, versucht das Objekt zu kategorisieren. Dazu die komischen Geräusche, das soll Bellen sein? Eine Batterie macht eine Hundepuppe eben nur zu einem Roboter und nicht zu einem Lebewesen.

Da sich der Wuffinator nicht von den Signalen des echten Hundes beeindrucken lässt und ataktisch seinen Weg fortsetzt, sieht sich der Vertreter mit Puls zum Rückzug gezwungen. Er klemmt unsicher und ängstlich Rute ein und verdünnisiert sich. Das Produkt der Spielzeugindustrie zieht von dannen und relaxt kann man wieder Posten beziehen.


Das Wedeln ist immer im Kontext zu sehen. Ein langsames Wedeln mit erhobener Rute imponiert. Eine niedrige Rute kann beschwichtigen, leicht erhoben Unentschlossenheit darstellen. Bei leicht gesenkter Rute spielt der Grad der Verwirrung eine Rolle, die genauso in Neugier kippen kann.

Wird aus der Rute ein Schweibenwischer im Monsun und ist eher über dem Steiß, ist Freude garantiert. Je nach Objekt der Begierde, kann da das ganze Heck des Viehs ausbrechen und mitwedeln. Schnuffi läuft auf einen zu und vor lauter Freude bekommen Umstehende die Kniescheiben verdroschen. Das geht soweit, daß sich Dobermänner, Deutsch Kurzhaar, Weimeraner und ähnlich Vertreter bis zur Unheilbarkeit die Rute an Bäumen und Türen anschlagen. Manchmal muss dann amputiert werden, weil es einfach garnicht mehr heilt.

Steifes, tiefes Wedeln hingegen drückt eine eher depressive Stimmungslage aus, die Hunde sind ängstlich und/oder traurig. Wer das mal gesehen hat, es ist zum Steinerweichen.


Beim Vorgang an sich werden die Duftdrüsen in der Analregion stimuliert. Besonders stark ist das beim Imponieren der Fall. So ist Schwanzwedeln nicht nur visuelle, sondern auch sensorische Kommunikation. Hunde können positive oder negative Färbungen durch die überwiegende Ausschlagsrichtung sogar mitteilen. Beschwichtigende Hunde wedeln tendeziell linkslastig (negative Emotion). Positive Gefühle, wie Begrüßungen nach langer Abwesenheit, werden eher mit stärkerem Rechtsausschlag quittiert.

Auch hier, es kommt auf den Moment an. Ist es immer eher auf einer Seite, obwohl der Rest des Hundes anders daherkommt, kann es auch an einem Bandscheibenvorfall, Schlaganfall, einer Muskelzerrung oder einem generellen physischen Defizit liegen.

Alle emotionalen Reaktionen des Hundes werden von der Rute und deren Bewegung unterstrichen. Freude, Erregung, Entspannung, Angst, Langeweile, Unsicherheit, Neugier... es sind kaum Grenzen gesetzt.

Wird dem Hund die Rute genommen, oder hat er vielleicht nur eine Kurzversion, ist die Kommunikation um einen wertvollen Part vermindert, dennoch aber genauso möglich. Man liegt vorm Sofa und entspannt im Kollektiv, hört ein pfffft und dann riecht es irgendwie so... nach Tod und Verwesung... der Blick vom Sofa fällt auf einen gechillten Hund, der leicht mit dem Schwanz wedelt, zufrieden grunzt und weiterpennt. Das war, trotz Wedeln, kein Giftgasangriff, auch wenn es einem so vorkommt. Entspannung, Freude und ein bischen ich sch... auf alle.

Wenn die Pupserei vor dem Sofa übrigens Überhand nimmt, Schnuffi sich nach dem Ausgasen gleich verpieselt, nervt das nicht nur, das ist schon frech. Man ruft die Furzkiste einfach an den Ausgangsort wieder zurück. Und wieder abhauen ist nicht! Sofern die Flatulenz nicht auf Ernährung oder Krankheit zurückzuführen ist, sondern als Mittel der Kommunikation, wird *Napalm-Norbert* das zeitnah ändern.


Hundehaltung ist, entgegen situativen Brechreizes, schön.


Silvia Dober



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