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  • Silvia Dober

Bellen ist nur die halbe Miete...

Ein Hund der bellt, der macht sich hörbar bemerkbar. Konzentriert man sich jedoch nur auf diese Form der Lautäußerung, dann hat man die Hälfte verpasst (s. Beitrag 30.09.19: Wie spricht der Hund?). Eigentlich schade, oder?


Nur, was sind das dann für Geräusche, die man als Mensch nicht gleich wahrnimmt? Sowohl in der Körper-, als auch in der Lautsprache kann man feststellen, das ein Ton nicht ein Ton und eine Körperhaltung keine simple Körperhaltung ist. Man muss alles im individuellen Moment sehen. Ist es Fixieren, oder nur beobachten? Ist das Knurren Spiel oder die tiefgelbe Karte und danach geht es ab?

Der Hund an sich hat durchaus einiges an akustischen Signalen zu bieten. Bellen, Wuffen, Knurren, wer hätte das gedacht? Und gehört haben wir alles schon mal. Aber wurde es dann auch so wahrgenommen?


Beginnen wir mit einem schnuckeligen WUFF an. Das klingt, als ob einem die Kekskrümel im Hals liegen. Ein leichtes Husten, das kurz und recht flach daherkommt, meist von einem echten Bellen gefolgt. Meist erklingt es, wenn jemand Fremdes die Einfahrt runterkommt, oder wenn Schnuffi schläft und träumt. Der Hund signalisiert dadurch seine Alarmbereitschaft und die damit einhergehende Aufregung, die als Information andere warnen soll. Das Wuffen soll man nicht untersagen, der Hund macht seinen Job und zeigt an, wenn sich jemand außerhalb des Kreises der Gewogenen nährt. Sagt ein kleines Kind zuhause *fremder Mann* und guckt in dessen Richtung die Einfahrt runter, sagt man auch nicht *jetzt sei aber mal still*, sondern wirft einen Blick in die gleiche Richtung.


Nährt sich da nun jemand, der dem Hund nicht geheuer ist, dann wird aus Wuffen Knurren. Die Hauptfunktion des Knurrens ist die gesittete Warnung. Schließlich soll jeder eine Chance zum Rückzug bekommen. Knurren zur Warnung ist Drohverhalten, das in Angriff oder Verteidigung münden kann. Das Level der Warnung wird vom Selbstbewusstein bestimmt und muss unbedingt zusammen mit der Körpersprache gelesen werden. Wenn für den Hund der Spaß vorbei ist, dann stellen sich die Haare auf, der Körper drängt nach vorn und ein Angriff unter Verwendung der Beißerchen ist keine Utopie.

Passiert das jedoch ohne das körperliche Spektakel, knurrt Hundi vielleicht eher aus dem Spiel heraus. Dabei steht Knurren lediglich für das Erregungsniveau, was ein gesundes Sozialverhalten preisgibt.

Dann gibt es noch die nicht so schönen Laute. Heulen steht da an forderster Front. Der Kontaktlaut schlechthin, denn Heulen hört man auch über große Distanzen. Was Sinn macht, denn ein einsamer und verlassener Hund heult. Das ist nicht nur bei Welpen so, auch in der adulten Phase ist Heulen nicht obsolet. Dazu ist es ansteckend...legt einer los, macht der Rest des Rudels / der Gemeinschaft gerne mit. Ein Husky heult nicht gern allein!


*Wenn ich nach hause komme, heult mein Hund* Tja, wenn dem so wäre, dann kannst du auch gleich wieder gehen. Das ist kein Heulen, das ist eher Jaulen. Jaulen, Winseln und Fiepen sind Stresslaute. Ob das nun positiver Stress (Eustress) ist, oder negativer Stress (Disstress), sei der Situation und den Beteiligten geschuldet. Es kann sowohl Ausdruck für eine bestimmte Absicht sein (Quengeln, wenn es nicht schnell genug rausgeht), auch eine Form der Beschwichtigung oder die Begrüßung des Menschen, wenn er gefühlt zwei Jahre weg war und dabei nur mittags von der Arbeit kommt. Stress liegt nie im Auge des Betrachters, sondern im Herz desjenigen, der ihn erlebt.

Und es geht noch lauter. Wenn das jedoch der Fall ist, muss man noch aufmerksamer ob der Basis sein. Ein Hund der schreit, hat entweder Schmerzen oder Frust (Jagdabbruch). Ebenso kann er auch schlichtweg überfordert sein. Zuviele fremde Hunde auf einmal sind für einen unsicheren oder schlecht sozialisierten Hund kein Zuckerschlecken. Auch die Wirkung auf das Tier bei Streitigkeiten in der Familie, sind nicht zu unterschätzen. Dann noch ein evergreen, der Tierarztbesuch. Zu guter letzt kann Schnuffi auch einfach überfordert sein, mit der Aufgabe, die sich ihm gerade stellt, die er nicht bewerkstelligen kann und der Mensch drängt ihn noch weiter...denn eigentlich ist es doch soo einfach. Solange der Mensch kein Hund ist, kann er nicht 1:1 wissen, wie es wirklich für den Hund ist!

Am Ende steht noch das Schmatzen. Am einfachsten nachvollziehbar ist das Schmatzen beim Anblick von lukullischen Genüssen. Das läuft einem das Wasser im Mund zusammen, eine bekannte Redewendung. Ok, sieht Schnuffi etwas appetitliches, dann laufen einem die Schnürsenkel des Speichelsturzes schon mal links und rechts aus den Lefzen. Je nach Rasse braucht man im eigenen Wohnzimmer dann schon mal Gummistiefel, bis Hasso an die Napf-Tafel gebeten wird. Schmatzen und vielleicht noch etwas auf dem Duft rumkauen...dann ist garantiert etwas Läufiges unterwegs oder Duftstoffe sind besonders interessant und verlangen nach detallierter Analyse. Bleibt noch das Schmatzen als Signal der Beschwichtigung. Es dient sowohl zur eigenen Beruhigung, als auch dazu den Opponenten runterzufahren.

Ach, und vorm Übergeben (jetzt hätte ich beinahe Kotzen geschrieben) wird auch geschmatz. Biologisch ist es so, dass die gesteigerte Speichelproduktion die Zähne vor der vorbeischießenden Magensäure schützen soll. Das ist beim Menschen übrigens auch der Fall!



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