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  • Silvia Dober

Bähh, da kommt ein Kind!

Aktualisiert: 26. Okt 2019


Das hat sich bestimmt schon jeder Hund mal gedacht, wenn die quietschenden Mini-Menschen auf ihn zugestürmt sind, weil er soooooo flauschig aussieht. Je kleiner, desto wackliger sind sie auf den Beinen, je größer, desto ungebremster nähren sie sich dem animierten Kuscheltier.

Leider birgt dieses Verhalten ofter Raum für Fehlinterpretationen, sowohl bei Zwei-, als auch bei Vierbeinern.



Da liegt man einfach entspannt auf dem Boden und verdaut dösend, schon kommt der Nachwuchs und springt auf dem Landseer (50kg und eigentlich pazifistisch) rum. Schluss mit Nickerchen und auch Schluss mit lustig. Erzählt jedoch ein ungeübter Hund dem Kind, wie er das findet... hat sich aus Menschensicht der Hund meist daneben benommen. Wird das Kind dabei, wie auch immer verletzt, ist das für den Hund schnell eine Kopf-ab-Nummer.


Deswegen gibt es heute nun ein paar Infos, wie man beide Spezies verbinden kann, ohne dass eine von beiden ins Hintertreffen (auf die Speisekarte, oder ins Tierheim) gerät.


Mit ein paar Regeln, die für Eltern und Kinder umsetzbar sind, kann das Zusammenleben gewinnbringend sein und simultan das Unfallrisiko zuverlässig minimieren:


Kinder sind in Hundeaugen eher Beute, als Sozialpartner. Sie haben quietschige Stimmen, laufen in jüngerem Stadium wie ein angefahrenes Karnickel und kommen insgesamt eher knubbelig und kompakt daher, sind nicht so groß wie Erwachsene. Da kann man schon mal durcheinander kommen, wenn ein 22-monatiger Menschenwelpe durch den Stadtpark damelt -> in Gegenwart von Hunden sollten Kinder nicht wegrennen, denn das weckt den Jagdinstinkt. Ruhig stehen bleiben ist die Devise.


Wenn man nun so ruhig wie möglich steht und auf einen Erwachsenen/Halter wartet, den Blick nicht direkt in die Augen des Hundes wenden. Vielleicht sogar noch vor Angst starren... das könnte vom Hund missverstanden werden. Ein unsicherer Hund fühlt sich bedroht, ein anderer vielleicht aufgefordert, dem vermeindlich Fixierenden ein Ende zu setzen. Egal welche Variante, es geht auf jeden Fall ungünstig für den Steuerzahler der Zukunft aus. Prinzipiell gilt, dass Kinder nie ohne einen Erwachsenen/Halter einem Hund nähren sollten.

Und es ist auch nicht ok nach der Erlaubnis des Halters zu fragen, ob man den Schnuffi streicheln darf, während das Kind schon eine Bestandsaufnahme macht und guckt, wie fest die Rute angewachsen ist.

Man soll keine schlafenden Hunde wecken, das Sprichwort gibt es nicht umsonst.. Der Hund liegt auf der Seite und pennt, da kann man doch mal gucken, wie groß die Zähne wirklich sind... und schwups ist der Arm bis zum Ellbogen im Hund versenkt.


Was auch gerne mal passiert, der Vor- und Nachteil des Rassestandards, ein Hund ist ein Hund ist ein Hund. Wie soll man im Kindergartenalter den Unterschied machen, wenn einem beim Bummel in der Stadt der 8. Labrador, der 5. Dackel oder 12. Golden Retriever begegnet. Warten, ob das Halsband ein anderes ist? Keine praktikable Strategie. Kinder müssen lernen, daß jeder Hund ein anderer Hund ist. Zwillinge werden auch als Individuen behandelt, warum sollte man das nicht bei optisch uniformen Rassen auch machen? So wild ist das nicht?

Ok, dann abstrahiere ich mal: Wenn man in einer Beziehung ist und statt des geliebten Partners einfach ein Vertreter entsprechenden Geschlechtes auf der Matte steht, dann wird der Austausch-Partner vermutlich auch nicht gleich mit ins Schlafzimmer geladen ...falls er überhaupt zur Tür reingelassen wird.


Ein weiteres Problem ist das Spiel mit dem Hund. Ball werfen oder zergeln ist ja super. Schnappt ein Hund übermotiviert nach dem Ball und erwischt den Ärmel, wird gequiekt und der Ärmel weggezogen. Beim Wegziehen schnappt der Hund, als Beutegreifer völlig selbstverständlich, nach und dann ist so eine kleine Hand auch gerne mal ab. Es gibt Verletzungen, es wird geheult und sieh mal einer an, da sind wir wieder bei der zweibeinigen Beute. Kinder dürfen und sollen mit Hunden spielen, jedoch nicht allein und nicht zu nah am gefährlichen Ende. Der Ball kann geworfen werden, nachdem ein Erwachsener ihn übergeben hat, jedoch in Entfernung zum Hund.


Am Ende bleibt noch der fressende Hund. Die Nahrungsaufnahme ist immer ein besonderes Kapitel, denn bei lebenswichtigen Punkten im Tagesablauf, kann der Spaß schneller vorbei sein, als das Elternauge es sieht. Hunde müssen in Ruhe fressen dürfen. Sieht man einen Hund draussen, der sich vielleicht die Reste unter einer Mülltonne reinkloppt, ist das kein guter Moment, um ihn zu streicheln. Auch wenn es praktisch erscheint, denn der Kopf mit den fiesen Zähnen steckt ja in einer zu plündernden Tüte. Der Lütte geht hin und zieht dem Tier am Schwanz, der Hund dreht sich um und freut sich über den Nachtisch.


Weder sind alle Hunde wild/untrainiert/kinderfreundlich, noch sind alle Hunde kindertauglich. Es liegt in der Verantwortung der Erwachsenen, Kinder rechtzeitig im Umgang zu schulen. Selbst ohne eigene Flohkiste. Man trifft eigentlich immer Hunde im Freilauf, an der langen Leine, mit unachtsamen Haltern oder einfach mal einen Streuner. Und auf die Strategen, die aus 50m Entfernung brüllen, dass der Hund nur spielen will, ist ja nicht wirklich Verlass. Im Gegenzug obliegt es dem Halter, das eigene Tier vorrausschauend zu führen und nicht auf Gedeih und Verderb ohne Leine laufen zu lassen (mein Hund braucht keine Leine!), um sich zu profilieren, was er selber/das eigene Tier kann.

Es ist kein Wettkampf, wer welchen Schutzbefohlenen besser im Griff hat. Es ist eine Einstellung für eine verträgliche Koexistenz verschiedener Spezies.


Sollten Sie einen Hund mit Nachholbedarf beim Kinderumgang, ein Kind mit Verwechslungstendenz zwischen Polyester- und Echthund haben, oder Interesse an einer Gruppenschulung haben, sprechen Sie mich einfach an.

Ich mache gerne den Dolmetscher und keiner muss am Ende ins Krankenhaus.


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