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  • Silvia Dober

...also unterwirf dich gefälligst!


Tja, unterwerfen oder schlafen kann für das ungeübte Auge schon täuschend nah beieinander liegen. Es gibt zwei Arten der Unterwerfung, aktiv und passiv. Beide Formen werden aus unterschiedlichen Gründen vom Hund gezeigt. Vom Hund. Nicht via Druck vom Menschein eingefordert. Unterdrückung, das hat der Verlauf der Geschichte multipel gezeigt, ist kein gutes Mittel, um sich bei seinem Hofstaat durchzusetzen. Ein glücklicher Untertan ist immer freiwillig in seiner Position, denn er weiß um deren Nutzen für ihn. Wenn die Lütten geschnallt haben, daß es sich für sie lohnt, mucken sie auch nicht auf. So kann man, mal abgesehen von pubertären Ausrutschern Richtung Amtsanmaßung, davon ausgehen, das das Hundeleben in der Legislaturperiode (bestenfalls lebenslänglich) kooperativ und harmonisch abläuft. Bietet man als Legislative (Halter) Raum für Zweifel am Führungsstil, gibt indifferente Anweisungen und flexible Verhaltensregeln, bietet das für den Rudelteilnehmer immer Raum für Diskussionen. Die aktive Unterwerfung findet nie nie nie nie in Angst statt. Sie ist oft subtil und man muss alle Etappen der Handlungskette erfassen. Der Hund sucht den Blickkontakt und verringert aktiv die Distanz zum Menschen. Gut, sieht noch aus wie normals Herkommen. Die Rute wedelt tief, manchmal nur das letzte Drittel und man hört eventuell ein leichtes Winseln. Insgesamt erscheint Schnuffi wie tiefergelegt, also kleiner als normal, ohne ihm dafür die Läufe zu kürzen. Ebenso ist Vorstehen oder Anspringen möglich. Gerade das Anspringen ist eine spielerische Ansage, eine Aufforderung zum Spiel. Das kommt noch aus der Welpenzeit, als die Mutter durch anstupsen und Lefzen lecken zum Hervorwürgen des Futters animiert wurde. Futterbetteln, eine Form des sozialen Grüßens, ist ein freundliches Einfordern. Wie gesagt, alles nett gemeint und wenn Hunde das unter sich machen, kann man das noch gut aushalten. Kommt man allerdings nach einem langen Tag nach Hause und die 50kg-Töle lutscht einem die Mandeln blank, bevor man den zweiten Fuß durch die Haustür gezwängt hat (manche Vierbeiner sind so energisch in der Begrüßung, das man kaum die Tür aufbekommt) ...sieht das schon ganz anders aus. Da beschwichtigt man als Mensch den Hund, er solle sich doch nicht so aufregen. Man kommt kaum durch die Tür und schiebt den Langzeitarbeitslosen mit fuchtelnden Händen vor sich her. Der Anzug soll schließlich morgen nochmal mit ins Büro. Sollte, denn nun ist überall Sabber dran. Hundi sieht jedoch nur, er begrüßt freudig seinen Langzeitabwesenden und der steigt gleich auf Begrüßung und Spielaufforderung ein und fuchtelt mit den Extremitäten. Na, wenn das so gut klappt, dann lege ich morgen bei der Begrüßung noch einen Zahn zu! Bei der passiven Unterwerfung geht die Energie für die Handlung nicht vom Hund selber aus, sondern von seinem Gegenüber. Bei der Annährung des Sozialpartners legt sich der Hund (von selber!) auf die Seite oder den Rücken. Es gibt keinen direkten Blickkontakt. Das Motto des Moments ist: du hast recht und ich meine Ruh. Das Ziel ist die Situation möglichst unbeschadet zu überstehen, bloß nicht provozieren, bloß nichts riskieren. Was riskiert denn schon ein Hund, kann man sich da fragen. Das schlimmste, was passieren kann: der Flohzirkus fliegt achtkantig aus dem Rudel. Egal wieviele Beine das Rudel auch hat. Man kann sich auch als Rudeltier allein durchs Leben schlagen, aber das ist weder sicher, noch macht es den Solisten (wegen seiner Genetik) glücklich. So, was gibt es noch... die Mimik ist gespannt wie ein Segel bei ordentlichem Gegenwind. Das ganze Gesicht scheint sich nach hinten zu ziehen, manchmal offeriert einem der sich windende Wurm auch noch das submissiv grin (unterwürfiges Grinsen), was bei Fehlinterpretation wie Zähne blecken rüberkommt. Die Ohren liegen plattestens am Kopf an, man hört eventuell ein leichtes Fiepen oder Winseln. Manche pföteln, manche lecken sich die Schnauze, oder dem, den sie beschwichtigen wollen. Am Ende ist noch eine Urinabgabe dabei, was der Mensch gerne sofort negativ akustisch kommentiert. Man kann es auch einfach zur Kenntnis nehmen und fertig. Und, man muss deswegen auch nicht mit Schnuffi auf dem Flur um die Wette strullen! Was gerne als Akt der Zuneigung gemacht wird, kann vom Hund genauso als passive Unterwerfung aufgefasst werden. Der Mensch schnappt sich den Hund und knuddelt den erstmal so richtig durch. Das Procedere läuft in der caninen Welt jedoch unter dem Kapitel Fellpflege. Wenn man klein ist und Tante Hedwig krallt sich einen, schleift hinter sich den Stoppelhopser den Flur runter, damit man im Bad die Hände von ihr gewaschen bekommt...hört sich nicht sehr freiwillig an. Bei Protest (lass mich!!) grunzt Hedwig ein gutturales: ist doch nicht schlimm, wir müssen das jetzt machen, du willst doch wohl sauber und nicht dreckig sein. Als Kind denkt man sich, wenn ich wert auf Sauberkeit legen würde, dann hätte ich mich wohl nicht dreckig gemacht du Husche! Am Schluss sabbert einem Hedwig noch die Lippen in einem Nebel von 4711 auf die Stirn und ist ganz zufrieden ob ihres Werkes. Man selber denkt sich, jetzt wäre wirklich Zeit für den Waschlappen, ich rieche ja wie eine Butterfahrt auf der Heizdecken verkauft werden. Das nächste mal, wenn Hedwig kommt, mache ich die Biege. Und so macht das auch der Hund. Nicht die Butterfahrt, aber wenn er immer wieder einfach so gekrallt wird, um ihn "lieb" zu haben, ist das schon mehr als frech. Auch ein Hund hat einen Willen und eine Individualdistanz, die es sich zu respektieren gilt, solange er sich innerhalb der Hausregeln bewegt. Ignoriert man das, gibt man dem Tier keine Möglichkeit auf Einwilligung und Akzeptanz. Beschwichtgung, Friedensangebot und Deeskalation werden schlichtweg unterdrückt. Das ist nicht gesund, für eine gesunde Beziehung. Das ist Diktatur, nicht Hierarchie. Warum macht man dem Hund kein Angebot, sondern grabscht ihn einfach? Ist das Angebot gut formuliert, wird Schnuffi nicht nein sagen. Zusammenfassend kann man sagen, es gibt viele Möglichkeiten seitens des Hundes, um energetisch keine Ausreißer zu produzieren und ein ruhiges Leben in seinem Multi-Spezies-Rudel zu führen. Wenn man als Mensch nun die Geduld besitzt und die Zeit in Beobachtung seines Vierbeiners investiert, bekommt man viele kommunikative Schattierungen mit. Diese Schattierungen helfen beiden nicht ein Leben am Anschlag von Aktion und Reaktion zu machen. Man groovt sich ein, wird empfänglicher für das Befinden und Bedürfnisse des anderen und die Anzahl der hausgemachten Differenzen sinkt. Es reicht ein Blick, eine veränderte Atmung zum Ausdruck seiner Stimmung. Wenn man meint, man muss zeigen, daß man der Stärkere ist, hat man schon verloren. Wie stark bin ich, wenn ich meinen Schutzbefohlenen wider jeder Vernunft auf den Rücken werfe. Am Ende drückt man das Tier noch runter, damit das aufmüpfige Mistvieh schnallt, wer hier das Sagen hat! Der Alphawurf, das ist der Name für den Niedergang des Zusammenlebens, wird leider immer noch praktiziert, sogar von vermeindlich Professionellen empfohlen. Wenn ich das höre, kotze ich im Strahl. Das Vetrauen wird mit Gewalt, Druck und Freiheitsberaubung in den Grundfesten erschüttert. Was ist der Preis, wenn man den Hund physisch unterwirft? Man verliert die Psyche, man schadet der Seele.

Es liegt in der Hand des Menschen, das aus lebenslänglich keine Haftstrafe wird.

Silvia Dober




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